Österreich wählt Apartheid

Foto: Marcel Kayser

Heute finden die Nationalratswahlen statt. Egal wie der Wahlabend ausgeht und welche Koalition zustande kommt, in einer Sache hat Österreich bereits entschieden: Rassismus gegen Moslems ist voll okay und 45 Prozent wünschen sich Apartheid im Land. Ein Kommentar von mosaik-Redakteur Mahdi Rahimi

Laut einer Studie von Wolfgang Aschauer von der Universität Salzburg sind Muslime für den Großteil der autochthonen Gesellschaft kein Teil der österreichischen Gesellschaft. Die Zahlen sind, ganz rational und nüchtern betrachtet, schockierend. 72 Prozent sind der Meinung, dass Muslime keine kulturelle Bereicherung darstellen. 70 Prozent sind der Meinung, dass der Islam nicht in die „westliche Welt“ passt. 60 Prozent haben Angst, dass Terroristen unter Muslimen in Österreich sind und knapp 50 Prozent sind der Meinung, dass Muslime in ihrer Glaubensausübung eingeschränkt werden sollten, keine Moscheen gebaut werden sollten und Muslime nicht die gleichen Rechte haben sollten wie alle anderen in Österreich.

Es ist Rassismus, keine Kritik

Die Umfrage ist in etwa so repräsentativ wie Umfragen ähnlicher Art zum Lieblingsbier oder zur Sonntagsfrage, also sollten sie bei einer Bevölkerungszahl von acht Millionen relativ treffend sein. Würden ähnliche Zahlen bezüglich einer anderen Gruppe an Menschen auftauchen, würden alle Alarmglocken klingeln, man hätte parlamentarische Anfragen und Task-Forces um gegen den Hass zu kämpfen, es wäre eine Art nationaler Notstand. In Österreich ist die Reaktion darauf, dass knapp 50 Prozent der Österreicher quasi ein Apartheidregime für Muslime fordern – weil, sagen wir wie es ist, im Grunde ist es nichts anderes – Abwägung, Relativierung und Wurstigkeit.

So titelt der Standard, dass Österreicher den Islam „kritisch“ sehen. Als ob der Islam eine moderne Inszenierung von Antigone wäre. Von antimuslimischem Rassismus kein Wort. Wenn doch jemand darauf hinweist, kommt sofort der Reflex: Das kann ja gar nicht rassistisch sein, schließlich sei der Islam ja keine Rasse. Als wären Rassentheorien Wissenschaft und nicht selbst rassistische Ideologien, die Menschen in mehr- und minderwertige einteilen. Auch das Wort Islamophobie soll man nicht benützen, wie eine Standard Redakteurin mir einmal per Mail erklärt hat, weil es ein „reflexhafter Begriff ist und nur als Immunisierung gegen Kritik verwendet wird“. Nun denn, belassen wir es doch dabei: Es gibt keine Islamophobie, ausser Islamkritik.

Die bösen Extremisten

Aber es sind ja nicht alle Muslime schlecht. Es sind wirklich nur die extremistischen Muslime, wie Irene Brickner in einem Kommentar im Standard meint. Man stelle sich vor, man würde nach Utøya, Chemnitz oder Christchurch unter jedem Artikel zu Norwegern, Sachsen und Australiern dazuschreiben, dass nicht alle Norweger, Chemnitzer und Australier furchtbar sind, sondern nur „ein paar Extremisten“.

Es ist auch schön zu sehen, wie im Standard-Artikel zur Studie zwischen Muslimen und Österreichern unterschieden wird, so als ob Muslime eh keine Österreicher wären. Um es kurz zu machen: Islamophobie ist nicht ein abstraktes Ding aus Osttirol. Islamophobie ist mitten unter uns. Mitten in Wien, wo der Moslem gut genug ist um Gemüse zu verkaufen. Oder wo man sich mit MuslimInnen aus der Bourgeoisie von Damaskus und Teheran anfreundet, die einem dann auch erklären, dass sie mit den religiösen Moslems nichts anfangen können und den eigenen Rassismus bestärken.

Die Hälfte will Apartheid

Um auf den Wahltag zurück zu kommen: Vielleicht ändert sich etwas, wahrscheinlich wird sich politisch nichts ändern. Was aber bleibt ist eine Mitte-Rechts islamophobe Gesamtmehrheit in Österreich, die mit Unterstützung von Links Muslime unter Generalverdacht setzt und knapp 80 Prozent der Bevölkerung infiziert hat. Da es „Volksempfinden“ ist, kann man wohl auch erwarten, dass die zukünftigen, gewählten Mitglieder des Parlaments diesem „Volksempfinden“ nachgehen werden.

Und die Medien, weil man ja beim Volk sein will und keine „Lügenpresse“, werden das auch sprachlich und inhaltlich übernehmen. Vielleicht sollte man aber anfangen, Dinge so zu benennen wie sie sind. Österreicher sehen nicht den Islam „kritisch“, sondern knapp die Hälfte der Bevölkerung will Apartheid. Das klingt ein bisschen knackiger und bringt die Sache mehr auf den Punkt. Es wäre aber auch näher an der Realität.

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