Stinkreich und unsozial: Die fünf größten Corona-Schurken

Fotos: APA, Chatham House, Steve Jurvetson, Carine06, Franz Johann Morgenbesser

Die Corona-Schurken schüren das Feuer der Ungerechtigkeit – auch in Zeiten der Pandemie. Dabei geht es ihnen blendend. Dennoch verweigern sie kleine solidarische Gesten oder missbrauchen die Krise für Gewinn auf Kosten anderer. Lasst euch das gesagt sein, ihr Corona-Schurken: Ihr seid so kaputt wie das System, für das ihr steht.

Unsolidarischer Tennisstar: Dominic Thiem

Fast acht Millionen Euro verdiente Dominic Thiem letztes Jahr alleine an Preisgeldern. Der Niederösterreicher ist Dritter der Tennis-Weltrangliste, verleiht dem Sport in Österreich in den letzten Jahren neuen Höhenflüge – und mag es gerne neoliberal.

Ausgerüstet mit einer Rolex-Uhr und Red-Bull-Dose gibt der Weltranglisten-Dritte Ende April dem ORF ein Interview. Einige Spieler haben einen Fonds vorgeschlagen, über den die ersten hundert Tennisspieler der Weltrangliste jene mit weniger Einnahmen querfinanzieren sollen. Thiem wehrt sich erbittert gegen diesen Vorschlag – obwohl er für seine Verhältnisse nicht viel zahlen müsste. 30.000 US-Dollar stehen für die Top-Spieler zur Diskussion.

An dem Fonds gibt es sinnvolle Kritik, beispielsweise dass 30.000 Dollar von Spielern, die viele Millionen verdienen, ein zu geringer Beitrag seien. Und dann gibt es Thiem. Er will sich selber aussuchen, wen er unterstützt. Immerhin gäbe es im unterklassigen Tennis auch Leute, „die dem Sport nicht alles unterordnen. Ich sehe nicht ein, warum ich solchen Leuten Geld schenken sollte“, meint Thiem. Den faulen Spielern will er nichts geben, heißt das. Und wer faul ist, entscheidet er. Dass es für diese Spieler ums Überleben geht, dass sie, die nicht wie Thiem von großen Unternehmen gesponsert werden, faktisch keine Chance mehr haben, Geld zu verdienen – das ist dem Großverdiener egal. Wenn es im Tennis auch um Arroganz ginge, hättest du auch schon ein Grand-Slam-Turnier gewonnen, Dominic.

Schnorrender Milliardär: Richard Branson

Im Vergleich zu Richard Branson ist Dominic Thiem ein armer Schlucker. Auf knapp viereinhalb Milliarden Dollar schätzt Forbes das Privatvermögen des englischen Unternehmers. Zu seiner Virgin Group gehören unter anderem mehrere Fluglinien, zahlreiche Hotels und Kreuzschiffe.

Bekannt ist Branson nicht nur für sein Firmen-Imperium, sondern auch wegen seiner vielen Publicity-Stunts. Auf der Jagd nach Weltrekorden überquerte er in einem Amphibienfahrzeug den Ärmekanal und flog in einem Ballon von Japan in die Arktis. Er besitzt eine Insel in der Karibik und ein eigenes U-Boot.

Auch vor lauten Tönen scheut Branson nicht zurück. 2013 erklärt er sich zum Opfer des britischen Steuersystems und verlegte seinen Wohnsitz auf die Virgin Islands. Wie wenig er scheinbar von staatlichen Geldern hält, beweist er schon vier Jahre davor. Als 2009 mit British Airways eine Konkurrenz-Fluglinie ums Überleben kämpft, erklärt Branson, dass sich staatliche Hilfe nicht mehr auszahle. Die Politik sei besser beraten, „auf das Eingehen des Unternehmens“ zu warten.

Doch jetzt kämpft seine eigene Fluglinie ums Überleben – und Branson hat sich das alles anders überlegt. Mitte April erklärt er deshalb, Staatshilfen zu benötigen. 500 Millionen Pfund hätte er gerne von der Gesellschaft, zu der er keine Steuern beitragen will. Verkauf doch deine Insel, Richard, oder dein U-Boot. Sonst holen wir sie uns.

Eiskalter Medienmanager: Clemens Pig

Warum Clemens Pig auf unserer Liste landet, ist schnell erklärt. Als Geschäftsführer der Austria Presse Agentur (APA) ist er für die Kündigung von 25 Mitarbeiter*innen verantwortlich. Anfang Mai überbringt er die schlechte Nachricht kühl und gelassen via Videobotschaft ins Home Office der Beschäftigten. Fragen lässt er keine zu.

Dabei geht es der österreichischen Presseagentur wirtschaftlich gar nicht schlecht. Sie gehört zu den wenigen Medien in Österreich, die stabile Profite machen. Auch 2020 wird die APA einen Gewinn erwirtschaften. Trotzdem will die männerdominierte Spitze rund um Clemens Pig nun anständig bezahlte ältere durch schlecht bezahlte jüngere Kolleg*innen ersetzen. Der Grund dafür ist plumpe Gewinnmaximierung.

Clemens Pig nützt eiskalt aus, dass die Beschäftigten derzeit vereinzelt im Home Office sitzen und eine gemeinsame Gegenwehr schwieriger als sonst möglich ist. Doch die APA-Belegschaft lässt sich den Personalabbau, den steigenden Arbeitsdruck und die beschämend niedrigen Einstiegsgehälter nicht gefallen – und protestierte diese Woche auf der Straße.

Wir haben einen Tipp für Clemens Pig: Obstkistln, Yoga und Massagen für die APA-Beschäftigten kannst du dir in die Haare schmieren, wenn du sie sonst so mies behandelst.

Ausbeutender Amazon-Chef: Jeff Bezos

Der reichste Mann der Welt kriegt einfach nicht genug: Jeff Bezos‘ Vermögen stieg seit Jahresbeginn um knapp 24 Milliarden US-Dollar. Insgesamt sitzt der Amazon-Chef nun auf fetten 138,5 Milliarden US-Dollar. Der Online-Versandhändler macht in der Pandemie besonders viel Geschäft, seine Aktie steigt und steigt.

Was nicht neu ist: die katastrophalen Arbeitsbedingungen bei Amazon und die Kritik daran.  Vergangenes Jahr geht erstmals in Österreich ein Mitarbeiter an die Öffentlichkeit. Er prangert die menschenunwürdigen Zustände im Amazon-Verteilzentrum in Niederösterreich an. Ständige Überwachung durch die Geschäftsführung und Ungewissheit aufgrund von Leiharbeit machen den Arbeitsalltag dort zur Qual.

Während sich Jeff Bezos in seinen Villen und Yachten vor dem Corona-Virus verstecken kann, müssen Amazon-Beschäftigte seinen Luxus erarbeiten. Dabei sind sie einem enorm hohen Gesundheitsrisiko ausgesetzt. In Amazon-Lagern auf der ganzen Welt brechen immer wieder Infektionen aus, in den USA sind mehrere Mitarbeiter*innen am Virus gestorben. Auch der „Corona-Cluster“ im niederösterreichischen Verteilzentrum ist uns noch lebhaft in Erinnerung. Und trotzdem: Seit du mit dem Lesen dieses Artikels begonnen hast, ist Bezos um rund 900.000 Dollar reicher geworden.

Verdammt Jeff, du rüttelst am Enteignungsbaum!

Der Innviertler Trickser: Stefan Pierer

Eigentlich mag Stefan Pierer den Staat nicht. Der Gründer des Motorradherstellers KTM hatte sein Millionenvermögen jahrelang in Liechtenstein geparkt, um möglichst wenig Steuern zum Gemeinwohl in Österreich beitragen zu müssen. Lieber als dem Staat gibt Pierer sein Geld der ÖVP. Mit 430.000 Euro war er im Wahlkampf 2017 ihr Rekordspender – und bekam in der Folge seinen Wunsch nach dem 12-Stunden-Tag erfüllt.

Eigentlich mag Pierer den Staat nicht – außer er bekommt Geld von ihm. Schon vor der Corona-Krise kassierte er 600.000 Euro Kulturförderung für die „Motohall“ der KTM. Dort sind Motorräder und Motoren ausgestellt – nicht wie in einem Museum, sondern zu Marketingzwecken, wie das Unternehmen selbst sagt. Die ÖVP-geführte Landesregierung störte das ebenso wenig wie die Tatsache, dass KTM im selben Jahr 114 Millionen Euro Reingewinn machte und auf eine Landesförderung gar nicht angewiesen war. Kleinen Bühnen, Galerien und Clubs strich sie gleichzeitig die Kultur-Fördermittel zusammen.

Eigentlich mag Pierer mag den Staat nicht – außer er zahlt das Gehalt für seine Angestellten. Im März schickt er alle 3.700 KTM-Mitarbeiter*innen in Kurzarbeit. Der österreichische Staat bezahlt seither einen Großteil ihrer Löhne. Für die Beschäftigten hat KTM angeblich kein Geld mehr – für die Eigentümer*innen aber sehr wohl noch. Das Unternehmen plant Ende März, knapp 7 Millionen Euro an Dividenden auszuzahlen. Mehr als die Hälfte davon würde Pierer als Hauptaktionär persönlich einstreifen. Als die Aufregung groß ist und die Regierung ein Einschreiten erwägt, verzichtet der Trickser aus dem Innviertel doch auf die Auszahlung.

Too little, too late, lieber Stefan: Wenn wir nach der Revolution eine „Enteignungshall“ einrichten, wirst du darin garantiert vorkommen.

Kommentare

Kommentare