Griechenland Aktuell I: Warum Syriza eine Chance verdient hat

Im Jänner dieses Jahres hat sich die griechische Bevölkerung eine neue  Regierung gegeben. Am Vorabend der Wahlen haben sich einige KollegInnen von SPÖ, Grünen und ich dazu entschieden, unsere Meinung mittels Videobotschaft zu veröffentlichen und eine Wahlempfehlung für Syriza abzugeben.

Das generelle Verhältnis und Zusammenspiel zwischen Medien und Politik einmal außer Acht gelassen, waren die Reaktionen auf unsere Wahlempfehlung für Syriza durchaus interessant und beleuchten gleichzeitig ein weiteres Problem des „Falles“ Wirtschaftskrise. Österreichische ParlamentarierInnen, die eine andere Vorstellung davon haben wie und von wem unser ökonomisches System gelenkt werden soll, wird der Weitblick abgesprochen und das Etikett „Hybris“ umgehängt. Demgegenüber halte ich es aber nicht nur für durchaus angebracht, sondern als absolute Notwendigkeit, endlich andere Wege zuzulassen und nicht in der Starre einer vermeintlichen Alternativlosigkeit zu verharren. Eben diese Betäubung der Vorstellungskraft führt in weiterer Folge zu selbsterfüllenden Prophezeiung: wenn man Syriza von vornherein durch Dogmatismus Steine in den Weg legt, ist das zu erwartende Ergebnis vorgezeichnet.

Selbstverständlich kann man es als linke Abwegigkeit abtun, wenn Teile der Union über den Rand der Landesgrenzen hinaussehen und sich neben dem Bewusstsein für den eigenen Staatshaushalt auch eine Offenheit für reformistische Geister bewahren. Man könnte aber auch, und das ohne in ein Plädoyer für den Humanismus zu verfallen, anerkennen, dass es dem Menschen eigen ist sich aus der Umklammerung von überkommenen Denkstrukturen lösen zu wollen, um somit einen Paradigmenwechsel in jene Richtung einzuleiten, die er als die beste zur Verwirklichung der jeweiligen Vorstellung ansieht. Es war demnach keine „Begeisterung für Kampfrhetorik“, die mich zu meiner Wahlempfehlung bewogen hat, sondern vielmehr der Wille unseren griechischen FreundInnen Mut zuzusprechen. 
Mut um die Dinge wieder in ihre eigenen Hände zu nehmen, ihren Herzen zu folgen und die geistigen Mauern des Austeritäts-Masochismus zu überwinden.

Daniela Holzinger ist Politikwissenschafterin und seit 2013 SPÖ-Abgeordnete zum Nationalrat und stellvertretende Bezirksvorsitzende der SPÖ Vöcklabruck in Oberösterreich.