So schützt du deine Daten vor Innenminister Kickl

Foto: Alan Levine

In der neuen schwarz-blauen Regierung kontrolliert die FPÖ den gesamten Sicherheits- und Überwachungsapparat. mosaik-Redakteur Rainer Hackauf hat ein paar einfache Tipps zusammengestellt, wie du dich vor der Online-Überwachung durch rechtsextrem kontrollierte Ministerien und Geheimdienste schützen kannst.

FPÖ-Innenminister Herbert Kickl steht jetzt dem Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung vor. Aber auch das Verteidigungsministerium, mit seinen Geheimdiensten Heeres-Nachrichtenamt und Abwehramt, stehen unter der Kontrolle von FPÖ-Rechtsaußen Mario Kunasek.

Aus dem Regierungsprogramm geht hervor, dass Schwarzblau auf Massenüberwachung setzt. Die Bürgerrechtsgruppe epicenter.works hat das kommende Überwachungspaket bereits analysiert. Es besteht kein Zweifel, dass die Regierung wenig Skrupel haben wird, diese neuen Möglichkeiten auch gegen politische GegnerInnen einzusetzen.

Neben den Überwachungsplänen der rechten Regierung, gibt es aber auch weitere Gründe, die eigenen Daten zu schützen. Das Internet wird von fünf großen Konzernen (Google/Alphabet, Facebook, Amazon, Apple und Microsoft) kontrolliert. Deren Datensammelwut ist durchaus beängstigend. Die Konzerne machen Daten zum Geschäft, um das Verhalten von uns InternetnutzerInnen möglichst gut vorauszusagen und im Sinne von höheren Profiten steuern zu können.

So kannst du sicher chatten

Kurznachrichten via Textmessenger haben SMS mittlerweile weitgehend abgelöst. Viele Messenger können auch Plattformübergreifend verwendet werden. Es gibt zwei wesentliche Sicherheitskriterien für gute Messenger: Sie sollten standardmäßig verschlüsselte Nachrichten – auch in Gruppenchats – anbieten. Und sie sollten quelloffene Software sein, um Hintertüren auszuschließen, durch die Behörden spionieren können. Der beliebte Messenger Telegram erfüllt das erste Kriterium unzureichend, Whatsapp verschlüsselt mittlerweile zwar gut, ist aber nicht sehr transparent.

Signal ist ein kostenlose Messanger der beide Kriterien erfüllt. Und mittlerweile auch in einer Version für den Computer erhältlich ist.

So surfst du ohne Überwachung

Mozilla Firefox ist in punkto Sicherheit den Konkurrenten Chrome und Internet Explorer vorzuziehen. Absichern kann man den Browser durch die Installation zusätzlicher Erweiterungen. Drei davon sind besonders zu empfehlen: HTTPS Everywhere wählt im Hintergrund verschlüsselte Verbindungen beim Surfen aus. Privacy Badger wurde von der US-Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF) entwickelt und verhindert „Tracking“, also dass du beim Surfen verfolgt wirst. Die Erweiterung uBlock Origin blockiert darüber hinaus Werbeanzeigen.

Browser und Erweiterungen stehen im Gegensatz zu Chrome auch auf Smartphones zur Verfügung. Hier kannst du übrigens testen, wie sicher dein Browser gegen Tracking durch Kickl & Co geschützt ist.

Ist dir Sicherheit ein sehr großes Anliegen, solltest du eine verschlüsselte VPN-Verbindung benützen. Mit dem Programm Bitmask stellt das Technikkollektiv Riseup eine vergleichsweise leicht zu installierende Software und Verbindungen zur Verfügung. So ist es auf Computern wie auch auf Android-Geräten möglich, verschlüsselte Internetverbindungen über Server in Kanada, den USA oder Amsterdam laufen zu lassen. Der Dienst ist kostenlos bzw. spendenbasiert.

So schützt du deine E-Mails

Im Vergleich zu Messengern ist es relativ aufwändig, per E-Mail sicher zu kommunizieren. Dies geht grundsätzlich via verschlüsselter E-Mails im PGP Format. Die Bedienung ist aber für ungeübte NutzerInnen gewöhnungsbedürftig und stößt da an Grenzen, wo Mails an viele EmpfängerInnen oder eine Mailingliste gehen sollen.

Immer beliebter werden Anbieter wie posteo, die hier Abhilfe schaffen. E-Mails gehen automatisch verschlüsselt an andere posteo-Adressen. Zu Adressen anderer E-Mailprovider werden diese jedoch auch unverschlüsselt gesendet. Das Technikkollektiv Nadir hat mit Schleuder eine Software für verschlüsselte E-Maillisten entwickelt.

So schützt du deine Daten am Handy

Leider gibt es noch keine sicheren und alltagstauglichen Betriebssysteme für Smartphones. iPhones bekommen regelmäßige Sicherheitsupdates, die Software ist aber nicht quelloffen. Bei Android wiederum liefern die Smartphone-Hersteller wiederum wichtige Sicherheitsupdates nur sehr zögerlich aus. Alternativen zu den beiden Betriebssystemen gibt es kaum.

Um das Handy zumindest ein bisschen sicherer zu machen, sollte jedoch auf jeden Fall die Verschlüsselung auf dem Smartphone aktiviert werden. Dies geht bei iPhones so und bei Android so.

Wenn ihr zum Entsperren eures Telefons auf die beliebte Wischgeste setzt, solltet ihr euch überlegen, stattdessen ein Passwort zu verwenden oder mehr als 5 Punkte miteinander zu verwenden, nicht von oben nach unten zu wischen und möglichst in keiner Ecke zu beginnen. Weitere Tipps gibt es hier.

So wählst du ein gutes Passwort

Der einfachste, aber wichtigste Sicherheitstipp ist immer noch die richtige Passwortwahl. Knapp die Hälfte der ÖsterreicherInnen geben als Passwörter Geburtstage, Haustiernamen oder einfache Zeichenfolgen wie “123456” an. Schlecht gewählte Passwörter stellen das größte Sicherheitsrisiko dar. Darüber hinaus sollte man nicht ein einziges Passwort für alle Webservices nützen.

Die gute Nachricht: Der alte Tipp, ein möglichst unmerkbares Passwort mit Groß- und Kleinbuchstaben, Sonderzeichen und Zahlen zu wählen, ist veraltet. Die schlechte Nachricht: Ein Passwort sollte immer noch lange sein: ExpertInnen geben mittlerweile den Tipp das Passwort aus einer Kette von sinnfrei zusammengesetzten Wörtern zu verwenden:

„HundeRauchenGerneRoteTischeOhneKickl“

So zusammengesetzte Passwörter sind einfach zu merken und zugleich relativ sicher. Wer viele verschiedene Passwörter benutzt, sollte auf einen Passwortmanager wie KeePass zurückgreifen.

Individueller Schutz vor Kickl & Co hat Grenzen

Vor dem Hintergrund der bedrohlichen Entwicklungen, ist es durchaus sinnvoll, über digitalen Schutz nachzudenken. Die oben angeführten Punkte sind ein paar einfache Tipps, um Innenminister Kickl das Mitlesen zu erschweren.

Klar ist aber auch, dass der digitale Selbstschutz Grenzen hat. Schlussendlich werden wir Kickl und seine Regierung auf individueller Ebene nicht erfolgreich bekämpfen. Der effektivste Schutz ist immer noch eine große Bewegung gegen autoritäre Überwachungspläne, sowie Schritte zur Vergesellschaftung von Facebook, Google & Co. Dafür müssen wir vor allem mehr werden.

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