Fünf Thesen, wie wir zum guten Leben für alle kommen

FrauSchütze
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Das gute Leben für alle ist kein Wohlfühlkonzept, sondern eine praktische Utopie. Andreas Novy erklärt in fünf Thesen, wie wir ihr näherkommen.

Die folgenden Thesen wurden von Andreas Novy zum Auftakt des „Gutes Leben für alle“ Kongress 2017 mit mehr als 1.000 TeilnehmerInnen in Wien vorgestellt.

1. Gesellschaften brauchen Utopien, die Orientierung geben

Angesichts der Angriffe auf zivilisatorische Errungenschaften wie Rechtsstaat und Menschenrechte und der zunehmender Unsicherheit braucht es mehr, als nur jeweils das Schlimmste zu verhindern. Für emanzipatorische Entwicklungen braucht es positive Erzählungen, die Hoffnung geben und den Möglichkeitssinn stärken. Ein Blick in die Geschichte lehrt uns das: Menschenrechte, Frauenrechte, die Abschaffung der Sklaverei oder ArbeitnehmerInnenrechte und der Sozialstaat waren zu Beginn lediglich Utopien, die aber eine Orientierung gaben.

2. Gutes Leben für alle ist eine konkrete Utopie

Das gute Leben für alle beschreibt eine Welt, in der das freie Zusammenleben friedlich und solidarisch organisiert wird. Es ist ein positiver Gegenentwurf, der Sinn stiftet und die Phantasie anregt. Er stellt die Frage danach, wie Lebens- und Produktionsweisen zu verändern und zu gestalten sind, und zwar so, dass das eigene gute Leben nicht auf Kosten anderer erfolgt. Gleichzeitig geht es dabei darum, Freiheit, Solidarität, Nachhaltigkeit und Demokratisierung für alle zu ermöglichen. Das gute Leben für alle ist ein Kompass für die angestrebte Veränderung. Konkrete Schritte können sich dabei auf den Horizont hin zu einer verallgemeinerbaren Lebens- und Produktionsweise bewegen. Insofern ist die Utopie des guten Lebens für alle kein Wohlfühlkonzept, sondern eine Utopie, die zur Auseinandersetzung mit Widersprüchen und Konflikten zwingt.

3. Freiheit für alle braucht Grenzen, die demokratisch verhandelt werden

Die aktuelle Hyper-Globalisierung basiert auf entgrenzten Märkten, die die Möglichkeiten sozial-ökologischer Veränderung massiv einschränken. Die Utopie einer grenzenlosen Globalisierung, die zu Frieden und Entwicklung führt, erweist sich zunehmend als Illusion. Die Starken setzen ihren Willen mit und ohne Regeln durch. Doch Freiheit für alle ist ohne Grenzen, Regeln und Ordnung nicht möglich. Was, wo und wie begrenzt wird, muss demokratisch verhandelt werden. Das gilt insbesondere für Geld und Waren. Es gilt, Vor- und Nachteile des grenzenlosen Handels abzuwägen und demokratisch zu regeln.

4. Wirtschaftliche Regionalisierung ermöglicht Eigenständigkeit und Weltoffenheit

Das Ziel muss sein, die Globalisierung zu erden. Es braucht Strategien der emanzipatorischen Regionalisierung, um Handlungsspielräume von unten zurückzugewinnen. Dies erfordert demokratisch verhandelte Grenzziehungen, insbesondere für Finanzmärkte, ebenso wie eine Zivilisierung des Welthandels, die Sozial- und Umweltdumping verunmöglicht. Weder Freihandel noch Abschottung sind emanzipatorischen Ansätze, vielmehr braucht es Spielregeln und Rahmen. Nur so ist  ein sinnvolles Zusammenspiel von lokal und global möglich und können Widersprüchlichkeiten zwischen Vielfalt vor Ort und globaler Zusammenarbeit im Interesse eines guten Lebens für alle verhandelt werden. Für ein gutes Leben für alle braucht es beides: Eigenständigkeit und Weltoffenheit, so etwas wie einen heimatverbundenen Kosmopolitismus.

5. Auf dem Weg zum guten Leben für alle braucht es mehr Handlungsspielräume „von unten“

Viele meinen, die großen globalen Themen, etwa Klima, Armut, Menschenrechte und Weltwirtschaftsordnung, erforderten globale Handlungsstrategien. Ohne die Notwendigkeit von globaler Zusammenarbeit zu leugnen, zeigen die aktuellen Entwicklungen von Putin bis Trump, dass diese Handlungsfelder gegenwärtig schrumpfen. Globale Probleme sind vielschichtig und nicht nur global bearbeitbar. Auf allen räumlichen Ebenen gibt es Handlungsspielräume für Klima- und Sozialpolitik. Auf allen Ebenen können Menschen tätig werden, um Freiheit, Solidarität, Nachhaltigkeit und Demokratisierung zu befördern. Es geht um Erfahrungen, etwas verändern zu können, wirksam zu werden in der Gestaltung der Welt.

Daher ist es sinnvoll und notwendig, Handlungsfähigkeit auszuweiten, wo immer diese vorhanden ist, regional, national und europäisch.

Andreas Novy ist Ökonom und Leiter der Grünen Bildungswerkstatt. Er bloggt auf www.gbw.at.

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