Die Vienna ist gerettet

Foto: Philipp Oberhaidinger

Die First Vienna ist gerettet. Der älteste Fußballverein Östereichs geht nicht in Konkurs, sondern kann sich über die nächsten zwei Jahre finanziell sanieren. Die Hohe Warte, das Stadion der Vienna, bleibt damit wohl ebenso erhalten. Die Lage für die vielen, kleinen Traditionsteams in Österreich ist dennoch weiterhin prekär.

Der First Vienna Football Club ist eine Institution im österreichischen Fußball. 1894 in Döbling gegründet ist es der älteste Fußballklub des Landes. Das Stadion auf der Hohen Warte, einen schwachen Steinwurf vom Karl-Marx-Hof entfernt, dient der Vienna seit 1921 als Heimstätte. Früher, in den 1920er Jahren, verfolgten hier bis zu 80.000 ZuschauerInnen Fußballspiele. Zu dieser Zeit war es das größte Stadion auf europäischem Festland.

Bessere Zeiten

Heute kommen im Schnitt knapp 1.200 Leute, wenn die Vienna in Österreichs dritthöchster Spielklasse, der Regionalliga Ost, ihre Gegner empfängt. Die imposanten Steintreppen, die einst zehntausenden Leuten Platz boten, sind mit Gras bewachsen, die Haupttribüne ist wegen Baufälligkeit gleich ganz geschlossen. Dennoch ist der Fußballplatz mit seiner Weitläufigkeit und seiner Lage in den Hügeln Döblings immer einen Besuch wert.

Ähnlich wie das Stadion hat auch der Verein seine besten Zeiten schon hinter sich. Österreichischer Meister wurde die Vienna zuletzt 1955. Nach Jahrzehnten im sportlichen Mittelmaß stieg der Verein 2000 erstmals in die Regionalliga Ost ab, wo er, mit einer Unterbrechung zwischen 2009 und 2014, seither spielt. Und um ein Haar wäre es jetzt fast noch schlimmer gekommen.

Der Kampf der First Vienna geht weiter

Denn erst seit gestern Vormittag steht überhaupt fest, dass die Vienna weiter existiert. Der Schuldenberg, den der Verein seit dem Winter dieses Jahres angehäuft hat, belief sich auf fast eineinhalb Millionen Euro. Der Konkurs war nicht bloß eine Option, er schien zeitweise als das wahrscheinlichste Ende des ältesten Fußballvereins des Landes. Auch Fans und Verein gaben sich vor dem Tag der Entscheidung, der GläubigerInnenversammlung am 31. Mai, verschlossen. „Das ist ja auch hinter verschlossenen Türen passiert”, sagt Jan vom Fandachverband der Vienna, den First Vienna Supporters, im Gespräch mit mosaik. „Im schlimmsten Fall hätten wir vom Konkurs erst durch das Internet erfahren.” Doch es sollte anders kommen. Gestern stimmten die GläubigerInnen dem Ausgleich zu, der Verein muss über die nächsten zwei Jahre 30 Prozent seiner Schulden, also 480.000 Euro von insgesamt 1,4 Millionen Euro, begleichen. Wenn das gelingt wäre die Vienna schuldenfrei und könnte wieder neu anfangen.

Hauptsponsor der Vienna soll künftig die Uniqa-Versicherung sein. „Wir können jetzt langsam durchatmen, das größte Schreckgespenst Konkurs ist einmal weg. Das war das allerwichtigste”, sagt Vereinsgeschäftsführer Gerhard Krisch dem ORF. Er hofft, dass die finanzielle Sanierung des Vereins besser und langfristiger funktioniert als im Jahre 2014.

Kein neues Problem

Damals hatte der Verein knappe 570.000 Euro an Schulden angehäuft. Der deutsche Energiedienstleister CareEnergy übernahm die Verbindlichkeiten und der Vater des Unternehmenschefs, Richard Kristek, das Präsidentenamt des Vereins. CareEnergy war quasi alleinverantwortlich für die wirtschaftliche Gesundheit der Vienna, 80 Prozent des Budgets deckte das Hamburger Unternehmen. Doch im Dezember 2016 traten erste Probleme auf. CareEnergy, gegen die in Deutschland eine Vielzahl an Verfahren negativ entschieden wurden, überwies kein Geld mehr. Als im Jänner plötzlich der Unternehmenschef Martin Kristek einem Herzinfarkt erlitt, war klar, dass aus Hamburg so bald keine Mittel mehr kommen würden. Wenig später, im Februar, ging CareEnergy in Konkurs. Erst so war der Verein in die Probleme geraten, die ihn jetzt an den Rande des Konkurses brachten.

Ist Wien anders?

„Ab den 1970ern wurde zunehmend klar, dass die Stadt Wien nur mehr zwei Vereine im großen Stil unterstützen wollte – Austria und Rapid”, sagte Alexander Juraske der Tageszeitung neues deutschland. Juraske ist Historiker, als Fanvertreter im Aufsichtsrat der Vienna und Autor der kürzlich erschienen Vereinsbiographie „Blau-Gelb ist mein Herz“. Er spricht damit einen wichtigen Punkt an. Denn während mit Wien Energie und dem Verbund zwei staatsnahe Unternehmen die beiden großen Wiener Vereine, den SK Rapid und die Wiener Austria, als Trikotsponsor tatkräftig unterstützen, müssen weniger erfolg-, aber ähnlich traditionsreiche Klubs ohne diese Unterstützung auskommen.

Bei der Vienna ist der Einsatz der Stadt überschaubar, die Unterstützung zur Sanierung der baufälligen Haupttribüne sieht bis dato sehr zaghaft aus. Auch der Wiener Sportklub, dessen Historie und Stadion wie bei der Vienna von erfolgreicheren Zeiten zeugen, wartet seit Jahren auf größere Hilfeleistung der Stadt, um die teils maroden Tribünen am Sportplatz endlich renovieren zu können. Zum Stadionneubau des SK Rapid hatte die Stadt Wien 28 Millionen Euro beigesteuert. In Graz spielen sich derweil ähnliche Prozesse ab.

Nicht nur dasitzen

Immerhin aber konnte sich die Vienna retten, auch dank ihrer aktiven Fanszene. „Wir sind schon so selbstbewusst, dass wir sagen an der Rettung ein Stück mitgeholfen zu haben“, sagt Jan von den Supporters. „Politik und Wirtschaft wissen einfach wegen uns, dass es hier etwas gibt, dass es zu erhalten gilt.“ So haben die Fans bei der zuständigen Behörde nicht nur einmal nachgefragt, wie es um die Zukunft das Stadions aussieht. Der IG Immobilien, von der die Vienna das Stadion pachtet, haben sie gar einen Besuch abgestattet, um sich wegen der Finanzierung der Sanierung zu erkundigen.

Und auch wenn der Verein jetzt fürs Erste gerettet scheint, wollen die Fans ihre kritische Arbeit nicht einstellen. „Natürlich sind wir total erleichtert, dass es uns weiter geben wird und wir auch einen Hauptsponsor gefunden haben“, sagt Jan. „Aber das darf nicht heißen, dass die Uniqa anschafft und wir sitzen nur da. Es soll nicht so ausgehen, wie beim letzten Mal“.

Moritz Ablinger studiert Politikwissenschaft an der Uni Wien. Viel lieber geht er aber auf den Fußballplatz und schreibt für den Ballesterer.

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