Zeltlager für Flüchtlinge: Ein untragbarer Zustand!

Vergangenen Donnerstag kündigte die ÖVP-Innenministerin Johanna Mikl-Leitner an, künftig Flüchtlinge in Zeltlagern unterbringen zu wollen. Diese katastrophale Entscheidung und den sogenannten „Asyl-Notstand“ bekommen nun auch Schutzsuchende in Thalham im oberösterreichischen Bezirk Vöcklabruck am eigenen Leib zu spüren.

Wir schreiben das Jahr 2015. Österreich ist das zweitreichste Land in der EU – und die Innenministerin der Christlich-Sozialen lässt für Kriegsflüchtlinge und schutzsuchende Menschen Plastikzelte als Unterkunft aufstellen.

Konkret auch am Standort Thalham im oberösterreichischen Bezirk Vöcklabruck, wo sich ebenfalls ein Erstaufnahmezentrum befindet. Dieses hat eine langfristig maximal genehmigte Kapazität von rund 120 Menschen, was sich in der Ausgestaltung der Räumlichkeiten (Waschmöglichkeiten, Speiseräume, Gemeinschaftsräume etc.) sowie der Anzahl des verfügbaren Betreuungspersonals widerspiegelt. Kurzfristige Überbelegungen mit bis zu 180 Flüchtlingen sind erlaubt, jedoch platzt Thalham mit aktuell über 200 Schutzsuchenden aus allen Nähten. Was dies für die Situation in den Gebäuden bedeutet, will man sich kaum vorstellen: Speisesäle, die vollgepfercht sind mit Betten, Waschmöglichkeiten, die bei Weitem nicht ausreichen, Überbelastung des Betreuungspersonals. Diese Zustände sind untragbar.

Doch die Innenministerin legt noch ein Schäuflein drauf und lässt nun im überfüllten Erstaufnahmezentrum zusätzlich eine Zeltstadt errichten, in welcher weitere 80 Flüchtlinge untergebracht werden. Insgesamt also über 300 Menschen übersteigen die Kapazitäten der Räumlichkeiten in Thalham nun endgültig. Doch wer glaubt, das wäre alles, täuscht sich leider.

Wie sieht die aktuelle Situation aus?

In den Plastikzelten liegen Plastikplanen am Boden, auf denen Pritschen für die Flüchtlinge stehen. Es ist kalt und nass. Viele Flüchtlinge besitzen nicht einmal Schuhe. Gekrönt wird die Situation damit, dass die eingesetzten Heizungsgeräte in den letzten Tagen versagten und nicht in Gang gebracht werden konnten. Von der Zentrumsverwaltung kam dazu lapidar die Auskunft, dass die Flüchtlinge tagsüber „eh in das Hauptgebäude gehen können“ – bei den aktuellen Platzverhältnissen und mit Betten vollgestellten Gemeinschaftsräumen etc. eher eine theoretische Möglichkeit.

Auf Nachfrage des LAbg. Hermann Krenn (SP), warum nicht sofort die örtliche Feuerwehr kontaktiert wurde, als der Defekt an den Heizgeräten festgestellt wurde, kam von VertreterInnen des Innenministeriums die saloppe Antwort: „Die haben eh Decken.“

Keine Schuhe, kalte Plastikplanen auf den Böden der Zelte, keine Heizung, keine ausreichende Waschmöglichkeit, keine ausreichende Betreuung, Dixi-Klos und rund 4-9°C in der Nacht. So leben Flüchtlinge in Kriegsgebieten und in Thalham in Oberösterreich. Ich schäme mich für diese Flüchtlingspolitik! Wir brauchen ein sofortiges Ende der Zeltlager und eine Unterbringung der schutzsuchenden Menschen in Österreich in festen Unterkünften! Und es braucht Konsequenzen für diese menschenunwürdige Situation.