Warum die FIFA ein Drecksverein, aber die UEFA nicht viel besser ist

Foto: Urban Explorer Hamburg

Es ist nicht schwierig, die FIFA für einen Drecksverein zu halten. Seit Jahrzehnten umgeben den Fußball-Weltverband Korruptions- und Bestechungsvorwürfe in Millionenhöhe, die Langzeit-Präsident Josef Blatter mit genüsslichem Zynismus aussitzt. Was aber steckt hinter dem System Blatter und wer sind seine Kritiker_innen?

Jetzt hat es ihn also erwischt. Der FIFA-Präsident Sepp Blatter muss nach 17 Jahren an der Spitze des Fußball-Weltverbandes zurücktreten. Während er im Zuge der Verhaftungen einiger FIFA-Spitzenfunktionäre letzte Woche noch in gewohnter Manier das Unschuldslamm gab, scheinen die Ermittlungen der internationalen Behörden Blatter nun akut zu gefährden. Um welche Verdachtsmomente es dabei genau geht, ist zwar noch unbekannt, Quellen des US-amerikanischen Fernsehsenders ABC News berichten allerdings, dass das FBI Blatter auf den Fersen sei. Ganz sicher jedenfalls stehen Zahlungen im Visier der Ermittler_innen, die den engsten Kreis der FIFA betreffen- und ihre Machenschaften zur Perfektion umschreiben:

Im Jahre 2004 wurde Südafrika zum Austragungsland der Männer-WM 2010 gewählt. Das Land setzte sich in der Abstimmung des FIFA-Vorstandes mit 14 zu 10 Stimmen gegen Marokko durch. Einige der Vorstände dürften ihr Votum dabei den Höchstbietenden angeboten haben. Im Zentrum steht der ehemalige FIFA-Vize und Chef des Nord- und Mittelamerikanischen Kontinentalverbandes CONCACAF Jack Warner, der 2004 stimmberechtig war. Die südafrikanische Regierung versprach, so lauten die Vorwürfe, Warner Zahlungen von zehn Millionen Dollar, sollte er für eine Vergabe nach Südafrika votieren. Warner tat dies, der südafrikanischen Regierung allerdings wurde bewusst, dass sich diese Zahlungen nicht ohne weiteres bewerkstelligen lassen. Also bat das WM-Organisationskomitee den Weltverband, ob er nicht 10 Millionen Dollar des WM-Budgets abzweigen und an den Diaspora Legacy Fund überweisen könnte. Kontrolliert wurde dieser, richtig geraten, von Jack Warner. Was mit dem Geld angestellt wurde, ist unklar. Es gibt keinen Bericht darüber, dass damit ein spezielles Projekt gefördert wurde. Stattdessen bleibt nun die große Frage, wer die Zahlung veranlasst hat? Die Führungsetage der FIFA behauptet, dass der, mittlerweile verstorbene, Ex-Chef des Finanzkomitees, Julio Grondona, die Überweisung in Auftrag gegeben hat. Dazu ist er aber, laut Handelsregister, ebensowenig befugt wie Generalsekretär Jerome Valcke. Durchaus denkbar, dass es Blatter oder der Vorstand selbst war, der die Zahlung veranlasst hat.

Woher die Mehrheit?

Es scheint dies in den aktuellen Ermittlungen des FBI die heißeste Fährte zu sein, und eine, die letztlich auch Ermittlungen gegen Sepp Blatter einläuten könnte. Ermittlungen, die ihn nun in seiner Pension beschäftigen werden. Es wäre die Ironie des Schicksals, wenn es ihn genau in diesem Fall erwischt. Die erste Männer-WM in Afrika war ebenso ein Prestigeprojekt des Langzeitpräsidenten, wie Geldflüsse in arme Regionen der Welt. Was aber als Entwicklungshilfe vermarktet wurde, sind sehr oft Zahlungen, die direkt in die Tasche lokaler Eliten gehen. Dabei geht es nicht nur um Jack Warner. So berichtete der schweizer FIFA-Kritiker Jean-Francois Tanda 2011 davon, dass dem Präsident des Fußballverbandes auf Guyana, Colin Klass, 800 000 Dollar zwischen 2002 und 2006 überwiesen wurden, um dort ein Trainingszentrum zu bauen. Bis heute ist davon keine Spur. Klass wurde von der FIFA suspendiert. Wie sich Sepp Blatter aber Mehrheiten organisiert, dürfte sich nicht geändert haben. Für viele der alten Männer im elitären FIFA-Kreis war Blatter immer das Versprechen, an schnelles Geld zu kommen. Die Begründung Blatters für seinen Rücktritt, dass er die Mehrheit der Länderverbände nun nicht mehr hinter sich habe, ist also Unsinn. Für den Sonnenkönig außer Dienst geht es nun um die persönliche Freiheit.

Woher dieses Geld kam, mit dem sich die FIFA-Spitze ihre Mehrheiten organisierte, wird schnell ersichtlich. 1,6 Milliarden Euro an Gewinn erwirtschaftete der Weltverband im Rahmen der Männer-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien. Dieser fällt auch deswegen so hoch aus, weil die FIFA im Austragungsland keine Steuern zahlen muss. Während der brasilianische Staat, laut Berechnungen des Internetportals UOL, bereitwillig 2,68 Milliarden Euro zahlte, um 12 WM-Stadien zu bauen, ist es die breite Masse der brasilianischen Bevölkerung, die der FIFA ihre Gewinne bezahlt. Es ging im System Blatter eben nicht nur um Korruption, sondern um die massenhafte Umverteilung von Geldern zugunsten reicher, alter Männer.

UEFA- Die gute FIFA?

Dies wird sich auch mit dem Rücktritt Blatters nicht ändern. Vielerorts ist nun von einem Neustart im Weltverband zu lesen, am Besten unter der Ägide des europäischen Kontinentalverbandes UEFA. Doch außer einer erfolgreicheren Öffentlichkeitsarbeit sind die Unterschiede zwischen der FIFA- und der UEFA-Spitze marginal. Auch UEFA Präsident Michel Platini umgeben seit Jahren hartnäckige Korruptionsgerüchte. Der Sohn Platinis geht jedenfalls in Katar einem hochdotierten Job nach- und das, seitdem Vater Platini für eine WM-Vergabe in den Wüstenstaat votiert hat. Dazu kommt, was bis heute  nicht geklärt ist, wie sauber die Vergabe der Männer-Europameisterschaft 2012 nach Polen und in die Ukraine von statten ging.

Die UEFA kann aber, das muss man ihr zu Gute halten, mit diesen Vorwürfen besser umgehen. Sie gilt als die bessere FIFA. Es ist denkbar, dass innerhalb der UEFA tatsächlich umsichtiger oder auf sanftere Art und Weise bestochen wird, als dies im Weltverband der Fall ist. Jack Warner hatte noch 2011 versucht, Chefs karibischer Länderverbände mit Geld-Kuverts zu bestechen. Diese Zeit ist in der FIFA nun vorbei, der schockierende Rücktritt Sepp Blatters macht dies unmissverständlich klar. Einige Methoden des System Blatters sind alles andere als überholt. Sie werden auch in der neuen FIFA-Führung weiterleben, egal wer ihre prägenden Figuren sein werden. Zuletzt ließ sich so auch die UEFA von der Steuerpflicht im Zusammenhang mit ihren Großturnieren befreien.

Moritz Ablinger studiert Politikwissenschaft an der Uni Wien. Viel lieber geht er aber auf den Fußballplatz und schreibt für den Ballesterer.

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