Airbnb: Mietpreistreiber und willkommene Finanzierungshilfe

Für die massiv steigenden Mieten in Wien wird oftmals auch die Onlineplattform Airbnb verantwortlich gemacht. Die Initiative „Zwangsräumungen verhindern!“  zeichnet ein differenziertes Bild: Ja, Airbnb trägt zu steigenden Mieten bei, kann aber auch individuelle Bewältigungsstrategie sein.

Airbnb ist wohl das „größte Hotel der Welt“. Zunehmend ist es auch das unbeliebteste Hotel, sowohl bei Stadtverwaltungen als auch bei wohnungspolitischen Bewegungen. Einerseits geht es dabei um entfallende Steuereinnahmen und andererseits wird Airbnb für eine Verknappung des Wohnraums und damit steigende Mieten verantwortlich gemacht. Stadtregierungen versuchen die Onlineplattform zu regulieren. Neben etwa Amsterdam, New York und Berlin gibt es auch in Wien Verschärfungen und Regulierungsversuche: Vermietungen müssen gemeldet und Ortstaxen abgeführt werden.

Uns hat die laufende Debatte dazu veranlasst, die Daten über Airbnb in Wien näher anzuschauen.

Wer bietet Unterkünfte auf Airbnb an und welche Bedeutung hat die Vermietung auf dem Wiener Wohnungsmarkt? Wie kann Airbnb also wohnpolitisch eingeschätzt werden?

Bewältigungsstrategie bei steigenden Mieten

Eine Studie  zur Mietpreisentwicklung der Arbeiter_innenkammer zeigt, dass im Zeitraum zwischen 2008 und 2014 die Bruttomieten in Wien um 24% angestiegen sind. Die Löhne stiegen in diesem Zeitraum nur um 13%. Die logische Konsequenz ist: Es wird immer schwieriger, die Miete zu bezahlen. Zunächst werden die Ausgaben zur Abdeckung persönlicher Bedürfnisse reduziert, wenn das nicht weiter möglich ist, folgt nicht selten eine räumliche Verdrängung. Die äußert sich durch Zwangsräumungen bei ausstehenden Mieten oder durch das Abwandern in Wohngebiete, in denen die Mieten noch niedriger sind. Der Umzug in kleinere Wohnungen oder das Teilen der Wohnfläche in Form von Wohngemeinschaften sind andere Bewältigungsstrategien.

Auch das Generieren eines Zusatzeinkommens durch teilweise Untervermietung der eigenen vier Wände kann dazu beitragen, steigende Mietkosten abzudecken. Plattformen wie Airbnb, die Mieter_innen unkompliziert eine temporäre Untervermietung ermöglichen, können hier hilfreich sein. Darauf baut auch die Marketingstrategie von Airbnb auf, die immer wieder den Charakter des „Teilens“ hervorhebt und Airbnb als Teil einer „sharing economy“ sieht. Von diesen Möglichkeiten der Plattform können nicht alle gleichermaßen profitieren. Zum einen sind geübter Umgang mit Internet und Englischkenntnisse ausschlaggebend für eine erfolgreiche Vermietung. Zum anderen bedarf es ausreichenden Freiraums in der Wohnung und/oder die Möglichkeit, zeitweise woanders unterzukommen. Beides trifft vor allem auf das bildungsbürgerliche und studentische Milieu zu.

Viel lukrativer als normale Vermietung

Auf Airbnb stammen 37% der Angebote von Vermieter_innen mit mehr als einem Angebot und bei zwei Drittel der Angebote wird die ganze Wohnung vermietet. Das deutet darauf hin, dass ein beträchtlicher Teil der Anbieter_innen kommerziell agiert. Hier geht es nicht mehr darum, die eigene Miete besser zu bestreiten, sondern Airbnb ist ein Geschäftsmodell. Die Plattform „Inside Airbnb“ schätzt, dass knapp ein Viertel in den professionellen Bereich zu zählen ist. Der Anbieter „Vienna Living“ bietet gar 58 Wohnungen an.

Die möglichen Einnahmen durch die Vermietung führen deutlich vor Augen, warum Airbnb so attraktiv ist. Durchschnittlich 83€ werden pro Apartment bzw. 41€ pro Zimmer verlangt.

Über die Airbnb Vermietung kann ein durchschnittliches Einkommen von 917 € pro Monat und Appartement lukriert werden. Die Mieteinnahmen einer durchschnittlichen Wohnung (72,4m² und 5,91€/m²(netto)) im Privatsektor in Wien liegen im Vergleich dazu bei 428 €. Professionelle Anbieter_innen bei Airbnb erzielen aufgrund einer höheren Auslastung wohl auch eine weitaus größere Summe. Der in London ansässige Immobilienvermittler Nested zeigt dies in einer aktuellen Studie: Über eine normale Vermietung rentiert sich in Wien eine Wohnung erst nach über 35 Jahren, bei Airbnb-Vermietung kommen die Kosten jedoch schon nach 12 Jahren wieder rein.

Airbnb – Verschärfung der Wohnungsknappheit aber nicht Hauptursache

Die in Airbnb angebotenen Unterkünfte entsprechen ca. 0,5% des Wiener Wohnungsbestandes. In einigen Bezirken – vor allem der Inneren Stadt (2,5%) und den Gebieten innerhalb des Gürtels und dem 15. Bezirk liegt dieser Anteil deutlich über dem Wiener Durchschnitt (siehe Abbildung 1). In absoluten Zahlen sind die Top 5 Bezirke mit den meisten Nächtigungen Leopoldstadt, Landstraße, Alsergrund, Neubau und Rudolfsheim-Fünfhaus.

Anteil der Airbnb-Angebote am Wohnungsbestand nach Bezirken in Prozent

Zum Vergrößern Foto anklicken!

Der Hauptfaktor der Verdrängung sind steigende Mieten und fehlende leistbare Wohnungen. Bei einem geringen Angebot fallen zusätzliche Umwandlungen von Mietwohnungen in Eigentumswohnungen oder Airbnb-Appartements natürlich ins Gewicht und können lokal die Wohnungsknappheit noch zusätzlich verschärfen. Aus der statistischen Betrachtung allein lässt sich jedoch keine Schlussfolgerung ableiten, ob Airbnb und Co. einen starken Einfluss auf die Verdrängung von Mieter_innen haben. Abhängig von der Art der Vermietung und dem Anbieter kann Airbnb sowohl die Wohnungsknappheit verstärken als auch eine individuelle Bewältigungstrategie sein, um bei steigenden Mieten längerfristig in der Wohnung bleiben zu können. Den Hauptfokus der Kritik auf Vermittlungsplattformen wie Airbnb zu richten, birgt die Gefahr, die dahinterliegenden strukturellen Probleme (Wohnraum als Ware am kapitalistischen Markt) aus den Augen zu verlieren. Dass es kaum mehr leistbare Wohnungen gibt, die Mieten weiter steigen und es keinen ernstzunehmenden sozialen Wohnbau gibt, hat mit Airbnb nichts zu tun.

 

Kommentare

Kommentare