Stolpersteine in Linz: “Es wird etwas passieren müssen”

Thomas Quine

Es wird keine Stolpersteine in Linz geben. Die SPÖ hat mit der FPÖ gemeinsame Sache gemacht, ein Beschluss im Gemeinderat sprach sich gegen ein dauerhaftes Gedenken der Opfer des Holocausts im öffentlichen Raum aus.  Der Grüne Helge Langer will sich damit nicht abfinden. Initiiert vom grünen Klub rief er die Plattform Stolpersteine für Linz ins Leben. Mittlerweile hat sie über 2000 Unterstützer*innen. Mosaik-Redakteurin Sophia Hochedlinger hat mit Langer darüber gesprochen welche besondere Verantwortung die Stadt Linz in Sachen Gedenken hat und was den Linzer Bürgermeister dazu bewegen könnte ein Projekt wie die Stolpersteine zu verhindern.

Mosaik: Was hat sich in der Gemeinderatssitzung in der ihr das Gedenkprojekt beantragt habt abgespielt?

Helge Langer: Wir haben einen Antrag gestellt, in dem wir ein dauerhaftes Gedenken, bei dem auch die Namen der Opfer genannt werden, in Linz gefordert haben. Als Vorbild haben wir die Stolpersteine erwähnt, aber diese nicht einmal spezifisch im Antragstext gefordert. Die SPÖ und die FPÖ haben sich bei der Sitzung dann am Konzept der Stolpersteine abgearbeitet. Man würde symbolisch „über die Opfer des Nationalsozialismus trampeln“. Darüber kann man diskutieren. Aber es ist Fakt, dass sich viele Vereine in Oberösterreich für die Stolpersteine stark machen – darunter auch die israelitische Kultusgemeinde. Das haben SPÖ und FPÖ völlig ignoriert.

Nachdem klar wurde, dass der Antrag scheitern wird, haben wir vorgeschlagen, im Ausschuss weiter darüber zu reden. Dort hätte es die Möglichkeit gegeben, nicht nur unter Politiker*innen zu diskutieren, sondern auch Expert*innen und Angehörige einzuladen. Aber auch das wollte SPÖ und FPÖ nicht, sie haben den Dialog verhindert.

Warum macht die SPÖ da gemeinsame Sache mit den Blauen?

Der Verdacht liegt nahe, dass Luger von Seiten der FPÖ unter Druck steht, diesem Projekt nicht nachzugehen. Man weiß ja, dass die FPÖ aufgrund ihres Geschichtsverständnisses dazu tendiert, solche Gedenkprojekte abzulehnen.

Wie hat Bürgermeister Klaus Luger diese Position argumentiert?

Einerseits war es eben das Argument mit der Symbolik, andererseits hat Luger auch oft betont, dass ja ohnehin schon ein Gedenkprojekt geplant sei. Er hätte da schon etwas beauftragt. Aber ich halte es nicht für richtig, dass der Bürgermeister im Alleingang so ein Projekt umsetzen wird. Es geht ja nicht um ihn und sein Verständnis von Gedenken, sondern um die Anliegen der Angehörigen der Opfer.

Welche Verantwortung hat Linz beim Gedenken an den Holocaust?

Linz war die „Patenstadt des Führers“ und Hitler hatte eine besondere Affinität zu Linz. Vor dem Hintergrund hat die Stadt eine spezielle Verantwortung und sich in der Vergangenheit bemüht, die Geschichte aufzuarbeiten. Es gab Publikationen und temporäre Ausstellungen im öffentlichen Raum. Aber ein dauerhaftes Gedenken fehlt eben. Charlotte Herman, die Präsidentin der israelitischen Kultusgemeinde Linz, hat sich in den letzten Jahren immer wieder um ein Projekt bezüglich des 80. Jahrestages der Novemberpogrome bemüht. Das ist an der Stadt gescheitert.

Wie ist die Plattform Stolpersteine für Linz entstanden?

Wir waren nach der Entscheidung im Gemeinderat ziemlich wütend. Die Plattform war eine Idee, die aus unserem Gemeinderatsklub kam. Organisiert haben wir sie gemeinsam, im Dialog mit der israelitischen Kultusgemeinde in Linz und dem Netzwerk gegen Rassismus und Rechtsextremismus Oberösterreich. Bei einer Versammlung des Netzwerks, dem 83 Organisationen angehören, haben wir Ende Oktober einen einstimmigen Beschluss gefasst, dass es in Linz Stolpersteine geben soll.

Die Plattform wird aber nicht nur vom Netzwerk, sondern von vielen Menschen in der Zivilgesellschaft getragen: von Historiker*innen, dem Vorsitzenden des Mauthausen Komitees, von Opferverbänden, Leuten aus der Geschichtsforschung, Gewerkschafter*innen, Schriftsteller*innen, Menschen aus dem Kunst- und Kulturbereich und vor allem von Personen aus der Zivilgesellschaft die sich als Antifaschist*innen deklarieren.

Was wollt ihr momentan mit der Plattform erreichen?

Wir wollen zeigen, dass es den starken Wunsch aus der Zivilgesellschaft nach einem dauerhaften Gedenkprojekt in Linz gibt. Was man dann konkret daraus macht, lassen wir noch ein bisschen offen, weil es ein Stück weit auch davon abhängt, wie die Stadt Linz auf die Plattform und deren breite Unterstützung reagiert.

Wie schätzt ihr dabei eure Chancen ein?

Luger ist für sein Auftreten enorm kritisiert worden. Er muss jetzt etwas tun, vor allem weil er immer davon spricht, dass ein Gedenkprojekt in Planung sei. Wir werden als Initiative nicht locker lassen und den Druck aufrechterhalten. Es wird etwas passieren müssen.

 

Hier kann man die Plattform Stolpersteine für Linz unterstützen.

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