Die Bussi-Bussi-Gesellschaft: Was René Benkos Partyfotos über Österreich verraten

Foto: Gerd Altman

Wenn der Milliardär René Benko einlädt, kommen die Mächtigen aus Politik und Medien gerne zur Verhaberungs-Party. Die Fotos davon verraten zwei bittere Wahrheiten über Österreich – die eine alt, die andere neu.

4,9 Milliarden Dollar. Auf diesen Betrag schätzt das Wirtschaftsmagazin Forbes das Vermögen von René Benko. Mit 41 Jahren hat der Milliardär bereits Platz 3 der reichsten ÖsterreicherInnen erreicht. Vor ihm liegen nur noch die weit älteren Dietrich Mateschitz (Red Bull) und Johann Graf (Novomatic). Benkos Reichtum hat er Immobilien zu verdanken. Zu seinem Imperium gehören beispielsweise das Chrysler Building in New York, der Upper West-Turm in Berlin und das Goldene Quartier in Wien.

Fotos (v. l.): David Shankbone/Wikipedia, SIGNA/Gregor Titze, Marek Śliwecki/Wikipedia

Doch René Benko will nicht nur mit umstrittenen Immobilienprojekten Geld verdienen, er will auch politischen Einfluss. Seine Freundschaft zu Sebastian Kurz reicht nicht aus. Seit kurzem ist Benko zu je knapp einem Viertel Eigentümer von Kronen Zeitung und Kurier. Und er will mehr – nämlich zumindest die Hälfte der Krone, wie er nach einem monatelangen Machtkampf mit der Eigentümerfamilie Dichand erklärte.

Seinen Reichtum, Ruhm und Einfluss demonstriert der an sich öffentlichkeitsscheue René Benko alljährlich im November. Da lädt er die Mächtigen des Landes zum Empfang in sein Nobelhotel Park Hyatt Wien.

René Benko ruft, die Politik kommt

Die offiziellen Fotos zeigen, wer heuer Benkos Einladung folgte. Aus der Politik kamen beispielsweise Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein, ihr Vorgänger und Nachfolger Sebastian Kurz, Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka und Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer und Ex-Vizekanzlerin Susanne Riess.

René Benko mit Brigitte Bierlein (rechts)

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René Benko mit Sebastian Kurz

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Johanna Mikl-Leitner mit Wolfgang Sobotka (rechts)

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Alfred Gusenbauer mit Susanne Riess

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Wie Sportler vor der Sponsorwand

Besonders entlarvend war der Auftritt jener Gäste, die sich nicht zu blöd waren, vor einer Werbewand von René Benkos Signa-Konzern zu posieren. Wie SportlerInnen vor den Logos ihrer Sponsoren standen etwa SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner, Kanzlerin Bierlein und der Neos-Abgeordnete Helmut Brandstätter da. Immerhin rücken sie damit die Satire etwas näher an die Realität.

Helmut Brandstätter, Pamela Rendi-Wagner, Thomas Drozda vor Signa-Werbewand

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Auch die Mächtigen der Medienwelt folgten Benkos Einladung, etwa die Chefs von Österreich, Profil, Presse und ORF, also Wolfgang Fellner, Christian Rainer, Rainer Nowak und Alexander Wrabetz.

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Christian Rainer vor Signa-Werbewand

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Rainer Nowak (zweiter von links)

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Johanna Mikl-Leitner mit Alexander Wrabetz

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Diese Fotos verraten zwei bittere Wahrheiten über Österreich – die eine alt, die andere neu.

Bussi-Bussi statt Konfrontation

Die erste bittere Wahrheit lautet: Die Mächtigen des Landes sehen sich als große Familie. Im Selbstbild liberaler Demokratien kontrollieren die unterschiedlichen Funktionseliten eines Landes einander gegenseitig und schaffen so ein Gleichgewicht in der Gesellschaft. Opposition kontrolliert Regierung, Medien kontrollieren Politik, der Staat gleicht die Interessen von Wirtschaft und Bevölkerung aus.

Die Realität sieht anders aus. Politische Macht, Großkapital und Medienkonzerne bilden zusammen eine Bussi-Bussi-Gesellschaft. Der größte Zampano ist der mit der dicksten Brieftasche. Deshalb treten die Partygäste als willfährige StatistInnen in der „Seht her, wie reich und mächtig ich bin“-Show von René Benko auf.

Die Vorsitzende der ehemaligen ArbeiterInnenpartei SPÖ lässt sich wie eine Werbeträgerin des Milliardärs ablichten. Der Chef des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ORF hat kein Problem damit, von einer ÖVP-Spitzenpolitikerin umarmt und dabei fotografiert zu werden. Das politische und mediale Establishment des Landes zieht das Anstoßen mit der Schickeria jener professionellen Distanz vor, die nötig wäre, um ernsthafte politische Konflikte auszutragen. Denn zumindest im Umgang mit Superreichen wie René Benko ist man sich ohnedies parteiübergreifend einig.

Ungleichheit ist fatal, aber allen egal

Wen wundert es angesichts dieser Fotos, dass Österreichs politische Klasse nichts gegen die steigende Ungleichheit an Einkommen und Vermögen, und damit an Chancen und Macht tut? Wer kann noch erstaunt sein, dass auch die SPÖ eine Vermögenssteuer vorschlägt, die so niedrig wäre (maximal ein Prozent), dass Superreiche wie René Benko sie nicht einmal spüren würden?

In einer Gesellschaft mit hoher Ungleichheit verschlechtern sich Lebenserwartung und Lebenszufriedenheit der Bevölkerung, Kriminalität und chronische Krankheiten nehmen zu, Lobbying und Korruption untergraben die Demokratie, Finanz- und Wirtschaftskrisen werden wahrscheinlicher. All das ist wissenschaftlich bestens belegt. Anstatt zu versuchen, Vermögen und Macht von Menschen wie René Benko zu begrenzen, bemüht sich die politische Klasse um seine Gunst.

Gefallen für den Gönner

Ein Beispiel dafür ist der Kauf der Leiner-Zentrale in Wien, einer Luxusimmobilie in der Mariahilfer Straße. Um Benko diesen lukrativen Deal zu ermöglichen, ließen Kanzler Sebastian Kurz und sein Justizminister Josef Moser während der Weihnachtsfeiertage 2017 „eigens das zuständige Bezirksgericht aufsperren und einen leitenden Beamten aus dem Urlaub zurückholen“, wie Addendum berichtet.

Österreich ist ein ungerechtes Land – und die politische Klasse tut nichts dagegen, sondern trägt dazu bei. Das ist die erste bittere Wahrheit, und sie ist altbekannt.

Neu ist, dass es Bilder gibt

Neu ist dagegen die zweite bittere Wahrheit: Niemand kümmert sich mehr darum, all das zu verschleiern. Das Establishment hat sich natürlich bereits auf exklusiven Feiern getroffen und verhabert, bevor René Benko diese organisierte. Wichtigster Treffpunkt war jahrelang das „Sauschädelessen“ des damaligen Raiffeisen-Chefs Christian Konrad. Fotografieren war dort aber noch strenger verboten als im Berliner Berghain. Der nicht eingeladene Krone-Journalist Claus Pándi stellte sich einst mit Kamera vor den Raiffeisen-Eingang, um die Mächtigen, vom Bundespräsidenten und Kanzler abwärts, zumindest beim Ankommen zu filmen.

Welchen Sinn hatte das damalige Bilderverbot? Den Konzernbossen, die auch damals schon den Kurs des Landes im Wesentlichen bestimmten, ging es um Vertraulichkeit. Die VertreterInnen der Politik, etwa aus der SPÖ, sollten das Gesicht wahren können. In der sozialpartnerschaftlichen Logik, die Österreich damals noch bestimmte, sahen die Bosse die VertreterInnen der roten Reichshälfte als Verhandlungspartner, nicht als Untergebene.

Stolze Machtdemonstration

Die Bilder von Benkos Elitenparty zeigen, dass diese Zeit vorbei ist. Der Gastgeber demonstriert stolz, wie ihm das Establishment zu Füßen liegt. Selbst das Fernsehen ist dabei. „Das Schöne ist, dass alle was wollen“, sagt René Benko unverhohlen in die ORF-Kameras. „Früher war das umgekehrt, da musste ich viel mehr Energie aufwenden. Jetzt geht das alles leichter.“

Das Manager Magazin bezeichnet René Benko bereits als „Österreichs heimlichen Kaiser“. Tatsächlich erinnert sein Stil, der beispielhaft für das Österreich der Sebastian-Kurz-Ära steht, an einen Monarchen samt willfährigem Hofstaat. Wer in dem Spektakel der Macht-Verhaberung von Politik, Wirtschaft und Medien nicht vorkommt sind jene, die am Ende die Zeche für die große Party zahlen: die Untertanen, also wir alle.

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