Frauen* an die Tasten! Die mosaik-Frauen*woche 2021

Grafik: Reinhard Lang

Zum sechsten Mal schreiben auf mosaik in der Woche rund um den internationalen Frauen*kampftag am 8. März nur Frauen*. Männer dominieren auch 2021 die Medien, Frauen* und ihre Lebensrealitäten werden weiterhin an den Rand gedrängt. Deshalb brauchen wir eine Frauen*woche.

Die seit Jahren beinahe unveränderten Zahlen sprechen für sich: 47 Prozent der österreichischen Journalist*innen sind Frauen, im Durchschnitt sind sie besser ausgebildet als ihre Kollegen. In Führungspositionen kommen sie aber äußerst selten. Nur ein Drittel der leitenden Funktionen haben Frauen inne. Gerade einmal zwei der 15 österreichischen Tageszeitungen, der Kurier und die Kleine Zeitung, haben Chefredakteurinnen. Das Patriarchat hat die Medien fest im Griff. Das Frauennetzwerk Medien setzt sich deswegen für eine Quote von 50 Prozent auf allen Ebenen österreichischer Medienhäuser ein. Wie sich am Beispiel des ORF zeigt, ist das aber nicht ausreichend. Nach über zehn Jahren Quotenregelung sind im österreichischen Rundfunk noch nicht einmal drei von zehn Führungspositionen von Frauen besetzt.

Männlichkeit in linken Medien

Auch wir, als Mosaik-Blog, stehen nicht außerhalb dieser Realität. Männer bewegen sich in der kritischen Öffentlichkeit oft selbstsicherer. So bekommen wir immer noch deutlich mehr Artikel-Angebote von Männern als von Frauen. Dazu kommt die Wirkung: Texte erhalten oft mehr Aufmerksamkeit, wenn sie von Männern verfasst wurden. Zum Teil weil sie diese offensiver bewerben, zum Teil weil ihr Können höher eingeschätzt wird. Unter den meistgelesenen Artikeln sind regelmäßig jene von männlichen Autoren überrepräsentiert. Erfreulicherweise war das 2020 nicht so: Sechs unserer zehn erfolgreichsten Texte wurden von Frauen verfasst. 

Als Redaktion versuchen wir, dem bestehenden Ungleichgewicht entgegenzutreten, Autorinnen für unseren Blog zu gewinnen und mindestens die Hälfte unserer Texte von Frauen* verfassen zu lassen. Das gelingt uns nicht immer, aber wir geben uns Mühe. Im letzten Jahr wurden unsere Artikel 58 Mal von Frauen, 43 Mal von Männern und 28 Mal im Kollektiv geschrieben. Damit haben wir unser Ziel in diesem Jahr erreicht. Außerdem sind wir stolz, verkünden zu können, dass unsere beiden bezahlten Redaktionsstellen ab 2021 erstmals von zwei Frauen besetzt sind.

Trotz allem kämpferisch

Doch es geht bei weitem nicht nur um arithmetische Ausgeglichenheit. Das Corona-Jahr hat viele Ungleichheiten sichtbar gemacht, Frauen* und feministische Errungenschaften dennoch an den Rand gedrängt. Soziale Isolation verschärft sich im Lockdown, häusliche Gewalt und die Zahl der Frauenmorde steigen weiter an – von Mexiko bis Österreich. In Wien und Graz machen Aktivist*innen deswegen seit einem Jahr auf jeden sogenannten Femizid, die Tötung von Frauen* aufgrund ihres Geschlechts, aufmerksam. 

Traditionell weiblich dominierte Berufe werden mit Applaus von Balkonen belohnt – anderweitig macht sich der Dank bisher aber nicht bemerkbar. Pfleger*innen sind weiterhin unterbezahlt und überarbeitet, Sexarbeiter*innen auch während einer Pandemie oftmals vom Gesundheitssystem ausgeschlossen. Gegen all das gilt es anzuschreiben und aufzustehen. 

Und auch das machen Frauen*. Weltweit organisieren sie sich gegen Unterdrückung, Diskriminierung und Ausbeutung. In Österreich streiken Arbeiterinnen im Sozialbereich für eine 35-Stunden-Woche, 24h-Betreuerinnen vernetzen sich in Facebook-Gruppen und machen die Missstände ihrer Arbeitsverhältnisse öffentlich und Mütter wehren sich im „Aufstand der Alleinerziehenden”. Polnische Aktivist*innen demonstrieren gegen die Verschärfung der Abtreibungsgesetze. In Argentinien erkämpft die feministische Bewegung Abtreibungsrechte.

Aufruf zur Frauen*woche

Wir verbinden deswegen die Frauen*woche mit einem Aufruf. Wenn ihr, liebe Autorinnen, Aktivistinnen, Expertinnen, Denkerinnen, etwas loswerden wollt, dann schreibt uns! Fehlt euch etwas am Blog? Ein Thema, über das wir noch nicht berichtet haben? Gibt es einen Kommentar oder eine Analyse, die ihr veröffentlichen wollt? Möchtet ihr auf einen Artikel antworten, der auf mosaik oder anderswo erschien? Schreibt uns einfach!

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