Was das Crossroads Festival so besonders macht

Crossroads/What is democracy?

Bereits zum siebenten Mal findet das Crossroads-Festival in Graz statt. Von 31. Oktober bis 11. November widmet sich die Veranstaltung wieder kritischen Dokumentationen. Nur zum Filmschauen ist das Crossroads aber nicht da.

Natur, Demokratie, Flucht, Feminismus und Mensch-Tier-Beziehungen. Das sind jene fünf Themen, denen sich das Filmfestival Crossroads in Graz heuer widmet. Schwerpunkte, die schon oft das Angebot des Crossroads begleitet haben. „Das geht nicht anders“, sagt Organisator Josef Obermoser. „Es sind die bestimmenden Fragen unserer Zeit.“ Die einzelnen Tage des Festivals, das im Forum Stadtpark stattfindet, stehen dabei immer unter bestimmten Mottos, die sich konkreter den einzelnen Themen widmen. Am 1. November beispielsweise beschäftigen sich Filme, Treffen und Gespräche mit „Refugee Realities“, am 6. November der Verschmutzung der Meere und Menschen, die an vorderster Front gegen sie kämpfen. Der explizit gesellschaftspolitische Anspruch macht das Crossroads dabei zu einer Besonderheit in der Szene, wenige andere Veranstaltungen machen derart ausdrücklich Politik zum Fokus ihres Programms.

Premieren bei Crossroads

Die Themen mögen gleich bleiben, die Filme sind neu. Bei der heutigen Eröffnung (31. Oktober, ab 18:30) stehen mit Earthrise und Metamorphosis gleich zwei Österreich-Premieren am Programm. „Das sind zwei absolute Highlights“, sagt Obermoser. „Die Filme werden von Presse und Kritik ziemlich gefeiert.“ Das Crossroads zeigt zudem gleich drei Europapremieren: Chasing The Thunder des emmynominierten Regisseurs Mark Benjamin, Keepers of the Future von Naomi Kleins Partner Avi Lewis und Marcelina Cravats Dirt Rich. „Wir zeigen sowohl Low-Budget-Filme als auch solche, deren Produktion teurer war, sagt Obermoser. Der Organisator schaut sich im Jahr mehrere hundert Programme internationaler Festivals an, um daraus eine Auswahl zu treffen.

Doch der Anspruch ist es nicht nur, Filme zu zeigen. Im Rahmen des Programms sind direkt nach den Vorführungen Gespräche mit den RegisseurInnen ebenso vorgesehen wie mit den ProtagonistInnen der Dokus oder AktivistInnen, die sich mit dem Thema der Filme beschäftigen. Nach der Vorführung von „Die neuen Kinder von Golzow“ (1. November, 20:00) findet beispielsweise ein Gespräch mit dem Bürgermeister der Stadt Golzow Frank Schütz, Franziska Gruber von der Antirassistischen Aktion Graz und Franziska Hartl von KAMA Graz statt. Im Film geht es um den Versuch der Golzower Stadtregierung, ganz bewusst geflüchtete Familien aufzunehmen, um den Bevölkerungsschwund zu bremsen und den Ort zu beleben. „Filme können aufrütteln“, sagt Obermoser. „Aber noch mehr bewegt es die Besucher*innen, wenn sie die Menschen, die dahinter stecken, live hören und sehen können.“

Die Umstände machen Umstände

Auskommen muss das Festival dabei mit einem „Mini-Budget“, wie es Obermoser nennt. War es früher noch Teil des renommierten Kulturvereins Forum Stadtpark, steht das Crossroads seit diesem Jahr finanziell auf eigenen Beinen. Der Großteil des Geldes kommt von verschiedenen Ämtern der Stadt Graz und des Landes Steiermark. Graz wird seit vergangenem Frühling Schwarz-Blau regiert. Wie sich das Festival vor dem politischen Hintergrund entwickeln wird, ist derzeit noch offen.

Trotz des kleinen Etats und der prekären Finanzierung hält das Crossroads an seiner bisherigen Preispolitik fest: Der Eintritt kostet einen freiwilligen Unkostenbeitrag. Wenn es sich jemand nicht leisten kann, muss er oder sie auch nicht zahlen. „Wir wollen niemanden ausschließen“, sagt Obermoser. Das Konzept scheint aufzugehen: Während der Programmumfang sich in den letzten Jahren nicht mehr erhöhte, stieg die Zahl der ZuschauerInnen kontinuierlich an.

Das „Crossroads – Festival für Dokumentarfilm und Diskurs“ findet von 31. Oktober bis 11. November im Forum Stadtpark in Graz statt. Das ganze Programm findest du hier. Der mosaik-blog wird das Festival als Medienpartnerin begleiten.

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