Kommt 2016 die nächste Finanzkrise?

Foto: Ana Ulin

Das Jahr 2016 begann mit Panik auf den globalen Finanzmärkten. Die Börsenkurse stürzten an allen Finanzplätzen gleichzeitig ab, sowohl in den Industrie-, als auch in den Schwellenländern. Der Grund für diesen plötzlichen Pessimismus: Es ist völlig ungewiss, wie es mit dem globalisierten Kapitalismus in den nächsten Monaten weitergeht.

Japan und Europa stehen am Rande der Deflation, die USA haben größere Mühe aus der Krise herauszukommen als erwartet und die brasilianische Wirtschaft ist zusammengebrochen. Auch China ist betroffen, denn sein exportbasiertes Wachstumsmodell leidet unter der weltweiten Rezession. Parallel zum Sturz der Börsenkurse erleben wir einen beispiellosen Einbruch der Erdöl- und Rohstoffpreise. Dies liegt teils daran, dass die globale Nachfrage durch die Rezession sinkt. Die US-amerikanische Fracking-„Revolution“, also die Gewinnung von Schiefergas, übt ebenfalls Druck auf die Preise fossiler Brennstoffe aus. Hinzu kommen geopolitische Faktoren, beispielsweise ist der Iran nach Ende des Embargos erneut Erdölanbieter auf dem Weltmarkt. Die sinkenden Preise fossiler Brennstoffen haben wiederum paradoxe Auswirkungen, beispielsweise auf die Emission von Treibhausgasen und die deflationären Tendenzen der Weltwirtschaft.

Weltweiter Neoliberalismus

Das Jahr 2016 wird weiter von Turbulenzen auf den Finanzmärkten geprägt sein und es ist möglich, dass diese zu einer erneuten Weltfinanzkrise führen. Eine der zentralen Ursachen dafür ist die weltweit durchgesetzte neoliberale Politik. Brasilien und Europa setzen ihre Austeritätspolitik fort und verstärken dadurch die Krise. Die Instabilität ist aber auch Folge der enormen Liquidität, mit der die Zentralbanken versuchen, den Banken- und Finanzsektor zu retten. Es wird geschätzt, dass Zentralbanken dem Finanzsektor in den letzten Jahren Mittel in der Höhe von 30 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsproduktes zur Verfügung gestellt haben. Diese Ressourcen werden unweigerlich die Spekulation anfachen. Beim kleinsten Alarmsignal werden sich diese Milliarden von einem Ort zum nächsten verschieben und immer neue Blasen schaffen – bis zum globalen Krach.

Krise im Anmarsch?

Es gibt drei Gründe, warum die nächste Krise vielleicht noch schlimmer sein wird als jene, die zwischen 2007 und 2008 in den USA begann. Erstens ist die Finanzwelt mittlerweile völlig globalisiert, wie die Gleichzeitigkeit der Börsenkrisen Anfang des Jahres gezeigt hat. Zweitens sind die Regierungen noch von der vorigen Krise durch höhere Budgetdefizite belastet und haben geringere Handlungsspielräume als früher. Drittens wurden in den wichtigsten finanzialisierten Ländern keine bedeutsamen Reformen verwirklicht, um die Finanzmarktakteure in die Schranken zu weisen. Im Gegensatz zur Krise der 1930er Jahre hatte heute keine Regierung den Mut, die großen systemrelevanten Banken, die die Hauptakteurinnen der Finanz und der weltweiten Spekulation sind, zu zerteilen.

Dominique Plihon ist emeritierter Professor für Volkswirtschaft und Sprecher von Attac Frankreich. Er ist Autor verschiedener Bücher zu internationalen Finanzmärkten und europäischer Wirtschaft.

Der Text wurde übersetzt von Carlos Camilo Resmerk. 

Kommentare

Kommentare