Nachruf auf Fritz Schiller

Foto: ÖGB

Vergangene Woche ist der Betriebsrat, Kammerrat, Demonstrant, Aktivist und Autor Fritz Schiller von uns gegangen. Ein Nachruf von Anna Svec.

Wenn man den Nachruf vom Fritz schreibt, dann will man das nicht, weil man den Fritz viel lieber anrufen oder ihn zu einer Wortmeldung aufrufen oder ihm auf einer Demo zurufen würde. Das ist schwer. Außerdem ist es schwer, weil man Angst hat, ihm in ein paar Zeilen nicht gerecht zu werden. Eine berechtigte Angst, weil der Fritz für so viele Leute wichtig war, dass man dieses viele „Wichtig“ nicht in einen Nachruf geschrieben bekommt. Deshalb nur das eine oder andere.

Ich habe den Fritz auf der Gründungsveranstaltung von Aufbruch kennen gelernt. Obwohl schon seit Ewigkeiten aktiv hat er sich für einen weiteren der vielen Versuche linken Aneinanderrückens interessiert und dabei das Sessel aufstellen und Essen Ausgeben genauso gelobt wie manche Rede und den Gedanken der Einigung, der ihm gefallen hat. Loben hat er generell gut können, aber kein schmalziges oder strategisches oder übertriebenes, sondern dieses großzügige, warme Loben, das einen so gestärkt hat.

Kritik auf Augenhöhe

Kritik hat er auch gehabt und Ideen und Verbesserungsvorschläge. Aber so sehr auf Augenhöhe, dass mir ganz anfangs nicht klar war, was für eine lange linke Geschichte der Fritz mitbrachte und wie viel er einem zu erklären und zu sagen hatte. Er erklärte eben und belehrte nicht, er diskutierte mit Überzeugung und Nachdruck und von einem hohen Erfahrungsstand, aber nicht von einem hohen Ross herab.

Er hatte viele und genaue Vorstellungen davon, wie sozialistische Politik gelingen könnte und was es zu vermeiden galt. Aber er hatte auch eine große Vorstellung davon, dass erst viele Menschen mit vielen Meinungen eine gesunde Politik bilden. Mehr noch: Der Fritz hat recht genau gewusst was er wollte – und das Hören und auch Umsetzen anderer Positionen war echter Teil davon. Und weil er das gewusst hat, hat er auch so viele, so verschiedene, und so liebende Freund*innen und Gefährt*innen gehabt, die ihm aus gutem Grund immer die Treue gehalten haben.

Tabubrüche und Kampfgeist

Sieben Jahre habe ich den Fritz jetzt gekannt. Jahre, in denen er einen zähen Kampf gegen seine Krankheit ausgefochten hat, den er nicht pathetisch beiseitegeschoben, sondern über den er als Teil seines Lebens gesprochen und damit für uns alle ein gar nicht so kleines Tabu gebrochen hat. Sieben Jahre in denen er neben dem Krebs aber auch unermüdlich ein System bekämpft hat, das er aus tiefstem Gefühl ebenso wie mit tiefer analytischer Kraft abgelehnt hat. Nicht nur auf einer sondern auf vielen Ebenen.

Der Fritz war kämpferischer Betriebsrat. Der Fritz war aufmüpfiger Kammerrat. Der Fritz war verlässlicher Demonstrant. Der Fritz war leidenschaftlicher Aktivist. Der Fritz war versierter Autor. Der Fritz war engagierter „lass uns essen gehen und politisch diskutieren bis uns die Ohren rauschen“-Treffer. Der Fritz war an politischen Theorien und Strategien interessiert aber auch einfach an Leuten und wie es ihnen gerade geht. Und er wollte das man Dine gut macht, weil sie ihm wichtig waren. Aber er hat auch Verständnis gehabt, wenn man sie manchmal schlecht gemacht hat.

Fritz: Wir werden dich vermissen

Wer den Fritz nicht mehr kennen lernen darf, der fällt um vieles um. Das lässt sich nicht schönreden. Er wollte noch lange nicht sterben und wir wollten das auch nicht. Das ist kein Moment, um zu schreiben, „wenigstens ist er jetzt von seinen Qualen erlöst“. Weil der Fritz auch noch unter höllischen Schmerzen mit dem Krankenhauspersonal um ein bisschen mehr Zeit verhandelt hat. Er hätte die gebraucht und viele, viele hätten noch viel, viel Zeit mit ihm gebraucht.

Also schreibe ich es nicht, sondern stattdessen: Es tut sehr weh, dass du gegangen bist Fritz. Wir werden dich vermissen und wir werden uns an dich erinnern, und wir werden von dir erzählen.

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