Grafik: Reinhard Lang

Anlässlich des feministischen Kampftages am achten März schreiben auf mosaik eine Woche lang nur FLINTA* (Frauen-Lesben-Intersexuell-Nicht-binär-Transgender-Agender). Dass wir die feministische Woche auch 2022 noch brauchen, hat sich im vergangenen Jahr zu Genüge gezeigt.

2021 war das Jahr des Sexismus-Skandals im österreichischen Boulevardjournalismus. Dass sich der Aufdeckung der Vorwürfe rund um den Medienmanager Wolfgang Fellner ein außer-österreichisches Medium annehmen musste, spricht Bände über den Stand der österreichischen Presse. Bei den ORF-Stiftungsratswahlen ersetzte ein weißer mittelalter Mann mit bezeichnendem Namen (Roland Weißmann) einen anderen weißen mittelalten Mann (Alexander Wrabetz) als ORF-Chef. Der ORF folgt dabei dem Trend der „Chefetagen“ österreichischer Medien. Gerade einmal zwei der 13 Tageszeitungen haben Chefredakteurinnen. Beim ORF sind seit 2021 immerhin drei von neun Landesdirektor*innen Frauen.

Gründe für Wut

Zeitgleich treibt die Wiener Politik mit ihrem Autobahnprojekt das Phallussymbol Stadtstraße entgegen allen Protesten weiter voran. Auf staatliche Behörden ist bei Gewalt gegen Frauen weiterhin kein Verlass. Und die türkise Frauenministerin instrumentalisiert Femizide, um rassistische Politik zu machen. Genug Gründe, um am achten März wütend zu sein. Und genug Gründe, um sich umso vehementer für eine gleichberechtigtere Welt einzusetzen.

Der feministische Kampf geht weiter

Zum Glück konnten wir uns dabei auch im vergangenen Jahr auf mutige FLINTA*, Personen, die im Patriarchat diskriminiert werden, verlassen. Ignoriert die österreichische Politik Femizide, gründen sie ein Kollektiv, das auf jeden einzelnen Mord aufmerksam macht und den Femizid-Begriff gesamtgesellschaftlich etabliert. FLINTA* werden kommunistische Bürgermeisterin in Graz, prangern rassistische Entwicklungen in der Tagespolitik an, werden zum Gesicht einer jungen Klimabewegung und influencen auf Youtube gegen rechte Politik und Umweltzerstörung.

Mosaikisierter Feminismus

Auf mosaik geben wir uns Mühe, das ganze Jahr über Raum für feministische Kämpfe zu schaffen und ein ausgeglichenes Autor*innenverhältnis zu erreichen. 2021 haben FLINTA* 43, Männer 34 und Kollektive 37 Beiträge auf mosaik veröffentlicht. Und immerhin fünf unserer zehn erfolgreichsten Artikel wurden von FLINTA* verfasst. Aber auch wir sind nicht vor patriarchalen Verhältnissen gefeit. So bekommen wir immer noch deutlich mehr Artikel-Angebote von Männern, weil sie sich in der kritischen Öffentlichkeit oft selbstsicherer bewegen. Es muss sich noch vieles bessern.

Aufruf zur feministischen Woche

Wir verbinden die feministische Woche deswegen mit einem Aufruf. Wenn ihr, liebe Autor*innen, Aktivist*innen, Expert*innen, Denker*innen, etwas loswerden wollt, dann meldet euch bei uns! Fehlt euch etwas am Blog? Ein Thema, über das wir noch nicht berichtet haben? Gibt es einen Kommentar oder eine Analyse, die ihr veröffentlichen wollt? Möchtet ihr auf einen Artikel antworten, der auf mosaik oder anderswo erschien? Dann schreibt uns gerne!

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