Sebastian Kurz hat mit Ednan Aslans Kindergartenstudie Wahlkampf gemacht und gegen „Islamkindergärten“ gewettert. Nach der Wahl stellte eine unabhängige Kommission fest, dass die Studie erhebliche Mängel weist. Welche genau, lässt sich nicht nachvollziehen. Denn Ednan Aslan verhindert, dass der Bericht an die Öffentlichkeit kommt und greift lieber seine Kritiker_innen an. Das ist Teil seiner Strategie, argumentiert von Rami Ali.

„Heiß umfehdet, wild umstritten“ – die zweite Strophe der österreichischen Nationalhymne beschreibt die „Kindergartenstudie“ wohl am besten. Tatsächlich hat Ednan Aslans Studie eine heftige Auseinandersetzung mit Kindergärten von islamischen Erhaltern in Wien angestoßen. (Übrigens: Es gibt keine „islamischen Kindergärten“. Es gibt Kindergärten, deren Erhalter Menschen muslimischen Glaubens sind). Dass es hier Probleme gab und gibt, bezweifelt niemand.

Macht er das absichtlich?

Im Folgenden soll es aber nicht um die Studie selbst und deren Missbrauch durch diverse Politiker gehen. Es geht nicht um den nachweislichen Einfluss des Außenministeriums, nicht um die Manipulationsvorwürfe, nicht um die wissenschaftliche Qualität der Studie, die die Dekanin des Instituts für Sozialwissenschaften mit einem „Nicht Genügend“ benoten würde.

Vielmehr geht es um den Studienautor selbst und die Frage, die mir – als ehemaligen Mitarbeiter Aslans – immer wieder gestellt wird: „Weiß er es wirklich nicht besser, oder macht er das absichtlich?“

Aslan hält Bericht geheim

Das ist, gerade im Hinblick auf die neuesten Entwicklungen, eine wichtige Frage. Die Österreichische Agentur für wissenschaftliche Integrität (ÖAWI) hat Aslans Studie geprüft und erhebliche Mängel festgestellt. Genaueres ließe sich nur sagen, wenn der Prüfbericht der ÖAWI, wie von der Universität Wien angeregt, einsehbar wäre.

Doch Ednan Aslan ließ am 23.11 verlauten, dass er die Veröffentlichung Berichts nicht genehmige. Eine überaus fragwürdige Entscheidung, wurde die Studie doch mit 36.000 Euro Steuergeld finanziert. Als BürgerIn dieses Landes sollte man eigentlich ein Anrecht darauf haben, zu sehen, was aus diesem speziellen  zwischen Wissenschaft und Politik geworden ist.

Attacke auf Stadt Wien

Am 30.11 setzte Aslan noch eines drauf. Er schickte, als Teil eines sechsköpfigen Forscherteams – ungeachtet des geforderten gemeinsamen Endberichts– seinen Beitrag unkommentiert an die Stadt Wien. Das berichtete Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky, der zudem angab „Aslans Spielchen satt zu haben“.

Aslan beschuldigt inzwischen die zuständige Magistratsabteilung MA11, Aktenvermerke gefälscht und eine seiner Mitarbeiterinnen unter Druck gesetzt zu haben, um „Einfluss auf das Prüfverfahren“ zu nehmen. Die MA11 hat deswegen wiederum eine Klage gegen Aslan eingebracht.

Strategie der Provokation

Der Vorstoß Aslans gegen die MA11 ist Teil einer Strategie der Provokation. Schon bei Veröffentlichung seiner Kindergartenstudie lief das nicht anders. So kommunizierte Aslan der Öffentlichkeit, wohlgemerkt auf Basis einer „Vorstudie“, dass in „islamischen Kindergärten Parallelgesellschaften herangezüchtet“ würden.

Teile der muslimischen Community fühlten sich dadurch vor den Kopf gestoßen, manche übten scharfe Kritik. Diverse muslimische Kindergartenerhalter traten danach an die Öffentlichkeit und betonten, dass man ihre Kindergärten jederzeit besuchen und untersuchen könnte. Auch die Stadt Wien wies die Vorwürfe zurück.

Der „mutige Kritiker“

Doch Ednan Aslan ignorierte die politische ebenso wie die wissenschaftliche Kritik an seiner Studie. Er nutzte den zum Teil vehementen Widerstand, um den KritikerInnen selbst Kritikunfähigkeit zu unterstellen. Eine Taktik, die er vor allem gegenüber muslimischen KritikerInnen einsetzt.

Das brachte ihm vermutlich auch den Vorsitz des Instituts für islamische Studien ein. Hier konnte er sich als „mutiger Kritiker“ inszenieren, der „unangenehme Wahrheiten“ ausspricht.

Diffamierungen

Als ehemaliger Mitarbeiter Aslans konnte ich diese Vorgehensweise aus nächster Nähe beobachten. Dabei habe ich festgestellt, dass er als Person eigentlich sehr zugänglich ist. Auch empfand ich seinen Input zu meiner Arbeit oft als geist-und hilfreich. Das kommunizierte ich ihm auch. Als ich dann aber kündigte, zeigte er sein anderes Gesicht.

Weil meine Einschätzung sich nicht mit seinen (strategischen) Vorhaben deckte, versuchte Aslan mich mithilfe des Instituts für Islamische Studien zum Schweigen zu bringen. Als ich dem Institut mangelnde wissenschaftliche Qualität vorwarf, ließ Aslan eine Stellungnahme schreiben, in der er mich diffamierte. Sie wurde von Menschen unterzeichnet, die ich in fünf Monaten niemals am Institut gesehen hatte, geschweige denn persönlich kenne.

Strategie, nicht Naivität

Dabei bin ich bei weitem nicht der einzige, der Kritik an Aslans Studien äußert. Andrea Schaffar analysiert auf scienceblogs.de die Methodik der Kindergartenstudie und kommt zu dem Schluss, dass diese „nichts mit Forschung zu tun“ habe. Zu seiner letzten Studie über die Radikalisierung von Muslim_innen habe nicht nur ich kritisch geschrieben, sondern auch etliche andere Expert_innen auf diesem Gebiet.

Ein Wissenschaftler ist für sein öffentliches und akademisches Ansehen selbst verantwortlich ist. Man kann also – auf Basis des Outputs – ganz nüchtern sagen, dass Ednan Aslan nicht der beste Wissenschaftler ist. Aber Naivität oder gar „Dummheit“ sollte man ihm – vor allem was seine öffentlichen Auftritte betrifft – keinesfalls attestieren. Vielmehr steckt hier eine Strategie dahinter, die darauf abzielt, KritikerInnen zum Schweigen zu bringen.

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