Die Identitären und ihr Rechstextremismus von oben

Foto: Eric Allix Rogers

Gerne wird das Bild der arbeitslosen, glatzerten und tierähnlichen Brutalos gezeichnet, wenn es um Rechtsextremismus geht. Das ist ein Bild, das gerne aus dem deutschen Diskurs übernommen wird und eine doppelte Rolle für das bürgerliche Milleu bedient. Einerseits verfestigt es das Bild, dass arme Menschen per sé schlecht oder dumm sind und sich nicht unter Kontrolle haben. Andererseits spricht es alle, die nicht aus diesem Milleu kommen, von Rechtsextremismus frei, denn Nazis: das sind die Anderen. Und die Anderen sind unten.

Dabei gibt es ein Spektrum, das tief hinein in die vermeintliche Mitte der Gesellschaft reicht und gleichzeitig in ständigem Austausch mit dem offenen Rechtsextremismus, ja sogar Neonazismus steht. Es ist ein Mythos, dass Rechtsextremismus an irgendeinem extremen Rand stattfindet. Ein Mythos, der durch die unglückliche Bezeichnung Rechts“extremismus“ weiterverbreitet wird. Rechtsextremismus ist aber nichts anderes als der Hass auf Menschen und Menschengruppen aufgrund vermeintlich biologistischer Merkmale (also Herkunft, Geschlecht, Sexualität, aber auch „Kultur“ und soziale Stellung werden biologistisch bestimmt) verbunden mit der ewig unsympathischen Anbetung einer Nation.

Reiche Kinder

Bestes Beispiel hierfür sind die reichen Kinder von den Identitären. Nein, sie haben keine Glatzen und stehen nicht mit Unterleiberl und Bierdose auf der Westtribüne von Rapid. Sie sitzen in Philosophie-Seminaren, reden Bullshit über Heidegger und kommen sich dabei ganz besonders klug und wichtig vor. Das sind klassisch bürgerliche Verhaltensweisen. Die beherrschen sie, weil ihr Rechtsextremismus genau aus diesem Spektrum kommt, aus dem der „Neuen Rechten“. Das ist ein Rechtsextremismus von oben mit dem speziellen elitären Hass auf Masse und damit auf alle sozialen und demokratischen Bewegungen von unten, von der Arbeiter_innenklasse über die Frauenbewegung bis hin zum selbstorganisierten Protest der Refugees und der zivilgesellschaftlichen Hilfe für Flüchtlinge. Die letzten beiden Punkte verbinden sie mit einem rabiaten antimuslimischen Rassismus. In einer romantisierten Allmachtsphantasie, die im 19. Jahrhundert schon scheiße war, wähnen sie sich als die Kreuzritter des Abendlandes. Sie sind die Erben Karl Martells und Prinz Eugens (ich verarsche euch nicht, das glauben die wirklich) und es liegt an ihnen, das „heilige“ Europa gegen die anstürmenden, barbarischen Horden zu verteidigen. In diesem blinden Menschenhass ist kein Platz mehr für Empathie oder Solidarität mit Menschen, die ganz unten sind. Im Gegenteil – sie sind es, die fleißig nach unten treten. Rechtsextremismus ist streng hierarchisch organisiert, dementsprechend wird nach oben gebuckelt. Ihr Hass auf MuslimInnen und Flüchtlinge äußert sich in verschiedenen Aktionen. Beispielsweise fahren sie an die Grenze, stellen dort 2 Meter Zaun auf und erklären das zum neuen Grenzzaun. Obwohl so etwas wirklich lächerlich klingt (und ist), zeigt es aber, dass die Identitären nicht vor Aktionismus zurückschrecken. Eine andere Aktion bestand darin, vor dem Erstaufnahmelager Traiskirchen Mannerschnitten und Zetteln, auf denen in Englisch stand, dass Flüchtlinge bitte „nach Hause“ gehen sollten,  zu verteilen. An den beiden viel frequentierten Grenzen in Nickelsdorf und Spielfeld versuchten sie jeweils die Straße und damit die hungernden, frierenden Menschen, die nach Österreich wollten, zu blockieren. Das ist offene, unkaschierte Menschenfeindlichkeit.

Kein Raum für bürgerlichen Rechtsextremismus

Als Linke gilt es hier, klar in der Analyse zu sein – nur „Nazi, Nazi, Nazi“ schreien, ist zu wenig. Im Gegenteil: es geht darum, sie genau in dem bürgerlichen Lager einzubetten, aus dem sie kommen. Andererseits ist es spannend zu beobachten, wie Parteien wie FPÖ aber auch ÖVP ihre Slogans, Sprüche, Sujets und Kader übernehmen. Das Wichtigste ist und bleibt aber: Kein Fußbreit den Faschist_innen. Das kann niemals bedeuten, sie totzuschweigen und gewähren zu lassen. Das kann nur bedeuten, sie in ihrem bürgerlichen Rechtsextremismus ernst und ihnen jeden Raum zu nehmen.

Natascha Strobl ist  Antifaschistin, bei Offensive gegen Rechts aktiv und betreibt den Blog schmetterlingssammlung.net.

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