Währung als Waffe: In Afrika werden Wirtschaftsinteressen noch immer mit Francs durchgesetzt

Foto: jbdodane

In 14 ehemaligen französischen Kolonien ist der CFA-Franc die offizielle Währung. Die Banknoten werden weiterhin in der französischen Kleinstadt Chamalières gedruckt, die afrikanischen Währungsreserven in Paris verwaltet. Die ehemalige Kolonialmacht sichert so die Interessen der französischen Wirtschaft und Politik in Afrika ab. Aber auch in Europa wird mit Währungen Politik für die Eliten gemacht, berichtet Julia Brandstätter.

In der Kleinstadt Chamalières befindet sich die Banknotendruckerei der „Banque de France“, wo französische Euroscheine gedruckt werden – und der CFA-Franc. Frankreich führte die Währung nach dem Zweiten Weltkrieg in seinen ehemaligen Kolonien Benin, Burkina Faso, Guinea-Bissau, Elfenbeinküste, Mali, Niger, Senegal, Togo, Kamerun, Zentralafrikanische Republik, Tschad, Kongo, Äquatorialguinea und Gabun ein. Später wurde die Währung in „Communautés Françaises d’Afrique“ umbenannt.

Die CFA-Länder sind dazu verpflichtet, 85 Prozent ihrer Geldreserven beim französischen Schatzamt in Paris zu hinterlegen – wobei sie auch bei Geldknappheit keinen Zugriff haben. Zusätzlich ist der CFA-Franc fest an den Euro gebunden: 655,957 CFA-Franc entsprechen einem Euro. Mit dem CFA-Franc hat Frankreich also entscheidenden wirtschaftlichen und politischen Einfluss auf seine formell unabhängigen Kolonien.

Frankreich entscheidet

Französische Verwaltungsräte haben darüber hinaus ein Veto-Recht. Sie blockieren wichtige Entscheidungen, die von der westafrikanischen Zentralbank getroffen werden. Manche Entscheidungen trifft Frankreich auch einfach ohne Konsultation. So beschloss Frankreich 1994 einseitig die Abwertung des CFA-Franc, wodurch die Produktpreise für die CFA-Länder quasi über Nacht um 50 Prozent stiegen. Exportgüter wurden zum halben Preis nach Frankreich gebracht, während sich die Einfuhrpreise verdoppelten.

Die Preise für französische Importe in die Länder des subsaharischen Afrikas – durchgesetzt mittels Lieferbindungen und politischer Patronage – lagen lange Zeit 30 Prozent über den Weltmarktpreisen für vergleichbare Güter und Dienstleistungen.

Selbstbedienungsladen für französische Eliten

Mit der Einführung der Franc-Zone sicherte Frankreich seine wirtschaftlichen und politischen Interessen langfristig ab. Die Währungszone dient nicht nur als riesiger Absatzmarkt für französische Produkte; Frankreich extrahiert auch permanent billige Rohstoffe wie Kakao, Kaffee, Holz, Gold, Öl und Uran aus dem westafrikanischen Wirtschaftsraum.

Profiteure des kolonialen Währungssystems sind internationale (vorrangig französische) Konzerne, die in den afrikanischen Ländern häufig doppelt so hohe Gewinnmargen erzielen wie in Frankreich. Französische Unternehmen, die Investitionen in CFA-Staaten tätigen, führen dank des freien Kapitalverkehrs ihre Gewinne ungehindert nach Europa zurück. Davon profitieren vor allem multinationale Konzerne wie Bolloré, Bouygues und Total.

Das System ermöglicht die Profitsicherung der europäischen Konzerne, die für diese Garantie nichts zahlen: Es sind die afrikanischen Bürger*innen, die über die Devisenreserven, die in der französischen Staatskasse gelagert sind, für die Stabilität des Wechselkurses bezahlen. Die CFA-Franc-Zone ist also eine Art Selbstbedienungsladen der französischen Eliten.

Monetäre Knechtschaft

Für die CFA-Länder bedeutet die Franc-Zone Fremdbestimmung, Geldknappheit und hohe Zinssätze. Besonders dramatisch ist die massive Kapitalflucht: Lokale Eliten verfrachten große Vermögensbestände nach Frankreich, mit dem Ergebnis, dass die ausgebeuteten und finanziell schwachen Staaten in Westafrika Teile des französischen Haushaltsdefizits finanzieren. Es ist kein Zufall, dass die 14 Länder der Franc-Zone auf der Liste der „hochverschuldeten armen Länder“ (HIPC) stehen.

Der Ökonom Kako Nubukpo kritisierte zuletzt die „monetäre Knechtschaft“, die von Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron fortgeführt wird. Das französische Geldregime bedeutet nicht nur symbolische Gewalt. Der berühmte Spruch des Panafrikanisten und ersten Präsidenten Guineas, Sékou Touré, bleibt aktuell: „Wir ziehen Armut in Freiheit einem Reichtum in der Sklaverei vor.“

Frankreichs Zorn

Touré war nicht der einzige afrikanische Präsident, der den Zorn von Paris zu spüren bekam, als er die CFA-Franc-Zone verlassen wollte. Der ehemalige Präsident von Burkina Faso, Thomas Sankara, und Sylvanius Olympio, der erste Präsident der Republik Togo, wurden ermordet, nachdem sie öffentlich geäußert hatten, die Franc-Zone verlassen zu wollen.

Staatsstreiche, französische Zwangsmaßnahmen und Gewalt hielten die Währung bis heute am Leben. Wenn afrikanische Länder sich von der Diktatur des französischen Imperialismus befreien wollen, müssen sie die Kontrolle über ihre Währung zurückgewinnen.

Auch der Euro ist eine Waffe

Dass Währungspolitik als Waffe eingesetzt werden kann, ist übrigens nicht nur in Afrika der Fall. Auch in der EU ist die Währung ein Kontroll- und Machtinstrument. Viele Staaten und hunderte Millionen Menschen hängen vom Euro ab, der von einer demokratisch kaum legitimierten Institution, der Europäischen Zentralbank (EZB), kontrolliert wird. Die EZB hat die Macht, eine ganze Volkswirtschaft abzuwürgen, um politische Interessen durchzusetzen. Deutlich wurde das am Beispiel Griechenlands, wo die EZB im Jahr 2015 griechische Banken von der regulären Geldversorgung einfach abgeschnitten hat.

In Afrika wie in Europas Süden gilt also: Wenn wir dem autoritären Eingriff in die materielle Basis der Menschen etwas entgegensetzen wollen, brauchen wir eine demokratische Geldpolitik. Währung darf kein Unterdrückungsinstrument sein.

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