Auf dem Weltklimagipfel ist die klaffende Lücke in der Klimafinanzierung Thema Nummer Eins. Geht es nach dem Internationalen Währungsfonds, soll der Finanzmarkt das Staatsversagen kompensieren. Bibi K. schreibt über einen nachhaltigen Irrweg.

Bei der Klimafinanzierung versagen alle Staaten der Welt kollektiv: Das Versprechen der Industrienationen, bis 2020 jährlich 100 Milliarden US-Dollar für Nachhaltigkeit bereit zu stellen, ist längst gebrochen. Wo gibt’s also das große Geld, wenn nicht beim Staat? Am Finanzmarkt. Die grünen Investments boomen. Allein „grüne“ und „nachhaltige“ Anleihen machten im Jahr 2021 weltweit 1,1 Billionen US-Dollar aus. Eine Verdopplung gegenüber dem Vorjahr. Das ist ein Neunzigstel der notwendigen Infrastruktur-Investments bis 2030. Unglaublich viel ist für das Klima immer noch unglaublich wenig. Insbesondere dann, wenn sich viel Geld in Greenwashing verliert.

Laufsteg grüner Finanzinstitutionen

Mittlerweile arbeiten zahlreiche Institutionen, wie das UNFCCC (Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen) und Vehikel wie der „Green Development Fund“, zu Klimafinanzierung. Sie produzieren laufend Papiere und erlassen Verordnungen. Diese Verordnungen sollen nachhaltige Finanzprodukte regulieren und Greenwashing bekämpfen. Das grüne Verfälschen von Firmenpolitik boomt nämlich genauso stark wie die grünen Investments selbst.

Viel öffentliches Klimageld wandert also in eine neue Nachhaltigkeitsbürokratie. Das ist nicht per se schlecht. Klimawandel ist eine Mammutaufgabe und braucht Verwaltung. Aber erstens braucht das Organisieren privater Klimafinanzierung offenbar erst recht viel Staat. Und zweitens müssen die ganzen Labels und Organisationen erst einmal zeigen, dass sie nicht selbst nur ein Greenwashing-Moloch sind.

Grün grün grün ist… der US-Dollar

Greenwashing-Fälle großer Unternehmen wie BP oder Nestle lassen sich zahlreich googeln. Es muss aber nicht immer das Investitionsprojekt selbst sein, das verlogen ist. Konzerne sichern sich gerne in alle Richtungen ab: Sie finanzieren ehrliche grüne Projekte und spenden parallel dazu für klimaleugnende PolitikerInnen und Lobbies gegen Klimagesetzgebungen.

Auch fehlt es noch an einem internationalen Verständnis von „Grün“. So konnten in China grüne Anleihen vergeben werden, die neue Kohlekraftwerke finanzierten. Es handelte sich nämlich um „cleanere“ Kohlekraftwerke als die bisherigen.

Solar ist sexy, Wald nicht so

Privates Geld fließt allzu oft nicht dorthin, wo es gebraucht wird. Es finanziert aktuell fast ausschließlich Projekte zur Reduktion von CO2-Emissionen. Besonders beliebt: Solaranlagen und E-Mobilität. In bessere Wasserspeicher oder Hochwasserschutz fließt dagegen kaum Geld. Dort winken keine Gewinne.

Kapital fühlt sich auch wohler in „berechenbaren“ Verhältnissen mit guter Rückzahlungsmoral und westlicher Buchhaltungskultur. Die ärmsten Staaten, vorrangig in Afrika, erreicht das Geld dadurch kaum. Drei Viertel des Klimakapitals fließt nach Asien, in den pazifischen Raum, Westeuropa und Nordamerika. Über 80 Prozent der Investments gingen in den letzten Jahren in das renditenstarke China.

Climate Blood Money

Es handelt sich eben immer noch um Investitionen. BotschafterInnen von „Sustainable Finance“ (der gängige Begriff für grüne und nachhaltige Finanzwirtschaft) betonen daher gerne, dass der Bereich genauso lukrativ sei, wie traditionelle Finanzanlagen. Zwar ist auch das Investieren in etwas „Gutes“ (vor allem in ein gutes Gewissen) ein Wert an sich. Das betrifft aber vorrangig kleine PrivatinvestorInnen (übrigens deutlich mehr Frauen). Ein großer Pensionsfonds, von dem die Altersvorsorge von Zehntausenden abhängt, muss in erster Linie Auszahlungen und Renditen vorweisen.

Da mag es gut klingen, dass zumindest erneuerbare Energien mittlerweile die siebenfachen Renditen von einem Investment in fossile Energien bringen. Der Sektor gilt als „kompetitiv“. Das bedeutet, er kann mit den Renditen der großen kapitalistischen Ausbeutungsindustrien mithalten. In dieser Logik kann niemand erwarten, dass vorrangig sinnvolle Projekte finanziert werden.

Die neueste Variante von „Climate Blood Money“ sind Sustainability Linked Bonds. Dabei sammelt ein Projekt oder ein Staat AnlegerInnengelder ein, um ein bestimmtes Klimaziel zu erreichen, wie eine Senkung der Temperatur um 0,1 Grad. Wird das Ziel nicht erreicht, muss der/die SchuldnerIn eine Art Strafzahlung leisten. Klingt fair. Zu Ende gedacht wird er/sie aber möglichst niedrige Klimaziele vereinbaren, die bequem erreichbar sind. Und es bedeutet, dass InvestorInnen daran verdienen, dass jemand Klimaziele verfehlt. Der Ausdruck „Climate Blood Money“ wird in dem Zusammenhang nicht etwa von Greenpeace, sondern vom Wirtschaftsprüfungs-Konzern Deloitte verwendet.

Klimaschuldenspirale

Der Großteil von Klimafinanzierung über den Finanzmarkt erfolgt über Green Bonds, also Anleihen. Anleihen sind Darlehen von vielen AnlegerInnen in Form eines handelbaren Wertpapiers. Das Geld ist am Laufzeitende verzinst zurückzugeben. Eine Anleihe begeben heißt, Schulden aufnehmen. Private Klimafinanzierung führt daher zu wachsender Verschuldung. Klimaschuldner sind nicht mehr vorrangig die Verursacher des Klimawandels, sondern jene, die Geld aufnehmen, um damit fertig zu werden.

Den größten Bedarf an neuem Kapital haben die weltweit ärmsten Regionen. Diese sind meist schon hoch verschuldet und mitunter politisch abhängig von Gläubigern wie dem IWF. Es sind die Staaten mit den schlechtesten Ratings. Sie gelten als riskant und müssen höhere Zinsen bieten. Dabei sind sie von den Finanzmärkten abghängig: Aktuell steigen die Anleihezinsen stark an. Gleichzeitig steigt der US-Dollar rapide. Ein Staat wie Indien, der einen Green Bond begeben will muss sich an den neuen hohen Zinsen orientieren. Und er muss zum Laufzeitende der Anleihe, die meist in US-Dollar begeben wird, Dollar zurückzahlen, die teurer geworden sind. Indien ist bereits gefährlich hoch verschuldet. Und allein seine Schulden aus Nachhaltigkeitskapital belaufen sich auf 19,4 Milliarden US-Dollar. Um weiteres Kapital aufzunehmen rät das World Economic Forum Indien daher, dringend an seinem Kredit-Rating zu arbeiten. Damit meint es in der Regel Austeritätspolitik.

Die globale Schuld aus grünen und nachhaltigen Anleihen hat sich zwischen 2019 und Mitte 2022 vervierfacht. Können Staaten aufgrund des steigenden Zinsumfelds keine neuen Schulden aufnehmen, kann das bei Fälligkeit großer Anleihetranchen sogar Staatsinsolvenz bedeuten.

Das Klima schreibt keine Rechnungen

Im Grunde liegt das Problem schon darin, Klimaziele zuallererst in Geld zu denken: Soundsoviel Milliarden braucht es, um die Erderwärmung auf soundsoviel Grad zu begrenzen. Dabei ist vielleicht gerade einmal abschätzbar, wieviel ein Land für den Ausbau alternativer Energien benötigt. Aber niemals, wieviel es braucht, um Wetterereignisse, Verschmutzung, Hunger, Konflikte und Klimaflucht zu verhindern oder zu kompensieren. Sustainable Finance tut so, als wäre das Bezahlen das vordergründige Problem. Als könnte man Veränderung kaufen, wie alles andere auch. Doch der Kapitalmarkt stopft die Löcher falscher Wirtschaftspolitik nicht. Er wird niemals umlenken, wohin die profitabhängige „Realwirtschaft“ drängt: Zu Ressourcenverschwendung und Zerstörung.

Dein Geld lebt aktuell von Luft, Liebe und Vertrauen, egal ob es auf der Bank oder auf der Blockchain liegt. Was hinter dem Kollaps von Bitcoins und Stablecoins steckt, erklärt Bibi K.

Es herrscht Kryptokalypse: Seit dem Allzeit-Hoch im November gehen Preise von Bitcoin, Ether und Co gemeinsam mit ihren Anleger*innen in den Keller weinen. Das hat mehrere Gründe, die jeder für sich einen Artikel wert wären: Die zunehmende Verbindung von klassischem Finanzmarkt und Krypto-Markt; ein Abstoßen von riskanteren Assets wie Aktien angesichts höherer (risikoloser) Zinsen durch die Geldpolitik von EZB und Fed. Doch das Zentrum bildet eine spontane Vertrauenskrise, die viel über die Entwicklungen der letzten Jahre aussagt.

Kleinanleger*innen in der Gelddruckmaschine

Als Mitte Mai der Coin „TerraUSD“ (UST) in sich zusammenfiel wie ein morsches Heurigenbankerl, ging eine beispiellose Schockwelle durch den Krypto-Markt. Dieser gilt ja eh schon als launig. Aber so etwas durfte eigentlich nicht passieren: Terra ist ein „Stablecoin“, der stets einen stabilen Kurs zum Dollar hält. Und nicht irgendeiner, sondern der drittgrößte Stablecoin weltweit. Stablecoins waren bislang die Robusten unter den Kryptos. Nun riss der Kursabsturz fast alle anderen Coins mit.

Dabei spielt noch etwas anderes eine Rolle: Terra war nicht nur ein Stablecoin, sondern ein ganzes „Krypto-Ökosystem“ von mehreren Coins und Anwendungen. Eine ist „Anchor“, eine Web-App: Deponiere deine Terra dort und lass sie ein Zeiterl liegen, dafür erhältst du 20 Prozent ohne viel Risiko. Klingt zu schön, um wahr zu sein. Trotzdem oder gerade deswegen schütteten institutionelle, wie kleine Anleger*innen horrende Summen dort hinein. Wie so oft am Krypto-Markt sind es die Influencer*innen auf Social Media, die solche Finanzspielchen befeuern – meist ohne Geschäftsbedingungen und haftbaren Firmen. Sagenhaften Geschichten, in denen Leute tatsächlich schnelle Renditen machen und marktschreierische User*innen, die einem das Gefühl geben, etwas zu verpassen, lassen jede kritische Frage vergessen (der Bro-Begriff dafür ist FOMO, „fear of missing out“).

Das ist doch alles ein Pyramidenspiel!

Ob solche Systeme Pyramidenspiele und damit strafbar sind (§168a StGB) kann nur schwer festgestellt werden: Ein Pyramidenspiel liegt kurz gesagt nur dann vor, wenn kein werthaltiges Produkt im Zentrum steht, sondern Teilnehmer*innen Auszahlungen immer wieder aus den Einzahlungen neuer zugeführter Teilnehmer*innen erhalten. Aber was ist denn am Finanzmarkt noch ein geiles Produkt, und was ist wertloser Schwindel?

Mittlerweile wird einer der Gründe für den Terra-/Luna Kollaps im schnellen Abzug einzelner großer Player aus besagtem Anchor Protokoll gesehen. Die großen Investor*innen kommen eben oft davon. Aber vollständig aufgeklärt ist der Kursrutsch immer noch nicht. Es ist schwierig, eine Behörde zu finden, die zuständig wäre. Es gibt zwar Gründer*innen und Programmierer*innen der zugehörigen Terra-Blockchain: Die Firmen Terra Labs (Süd Korea) und Luna Foundation Guard (Singapur) mit ihrem egomanischen Gründer Do Kwon. Aber diese Firmen sind nicht von Finanzmarktregulatoren beaufsichtigt. Jetzt ermitteln in Südkorea die Strafbehörden. Davon haben Kleinanleger*innen im Regelfall nichts.

Wozu überhaupt Stablecoins?

Stablecoins genossen eigentlich einen guten Ruf als Brückenbauerinnen zwischen Geld- und Krypto. Sie sollten stabil sein und nicht der Spekulation dienen, sondern der Wertaufbewahrung und ein verlässliches Zahlungsmittel sein. Stablecoins sind daher viel näher am Begriff der Währung, als etwa Bitcoin. Ihr Vorteil ist, dass die Nutzerin Geld parken und überweisen kann, aber keine Bank und kein Bankkonto benötigt. Auch können in turbulenten Zeiten volatilere Coins wie Bitcoin schnell sicherheitshalber in die stabilen Coins umgetauscht werden.

Dass der Markt sie will und braucht, zeigen die unfassbaren Volumina, die mittlerweile in Stablecoins stecken. Die Marktkapitalisierung, also der Preis aller im Umlauf befindlichen Stablecoins, liegt zum Zeitpunkt dieses Tippens bei 146 Milliarden Euro. Lest „146 000 000 000 Euro“ nochmal langsamer und zählt die Nullen vor eurem fassungslosen inneren Auge.

Wer ist denn schon wirklich stabil heutzutage…

Stablecoins versuchen allesamt, ihren Wert an eine Leitwährung zu binden. Das kann auf unterschiedliche Weise funktionieren, wie auch bei traditionellen Währungen, die sich an Dollar oder Gold binden. Klassisch kauft und hält die ausgebende Stelle für jeden ausgegebenen Coin im Hintergrund einen Dollar. Ich kann meinen Coin jederzeit wieder gegen einen Dollar zurücktauschen. Viele Stablecoins behaupten, eine Dollar-Reserve zu halten. Es stimmt nur nicht immer, wie der weltweit größte Stablecoin „Tether“ zeigt: Hier ist mittlerweile Fakt, dass nicht direkt Dollar, sondern kurzfristige Wertpapiere als Wertreserve gehalten werden. Auch Tether unterschreitet seither regelmäßig seinen Zielkurs von einem USD, weil die Käufer*innen misstrauisch sind.

Ein Algorithmus übernimmt die Rolle der Zentralbank

Im Fall von Terra diente ein Algorithmus und der Geschwister-Coin Luna dazu, den Wert stabil auf einem Dollar zu halten. Der Algorithmus steuert Angebot und Nachfrage nach Terra/Luna mit einem Anreizsystem, wenn sich der Kurs unter oder über einem Dollar bewegt, und hält damit den Preis stabil (eine ausführlichere und einfache Erklärung lest ihr hier).

In der Welt traditioneller Währungen sind hingegen Zentralbanken dafür zuständig, den Preis einer Währung zu steuern und zu stabilisieren. Sie betreiben dafür aktive Geldpolitik. Dabei wird deutlich mehr abgewogen als simple „wenn-dann“-Bedingungen zur Steuerung von Angebot und Nachfrage.

Geldpolitik gilt als berüchtigtes Politikinstrument von Eliten und Finanzmarkt-Playern. Irgendwo zwischen der Kaffeemaschine und dem Lounge-Sessel von Christine Lagarde (EZB) und Jerome Powell (FED) erpokern alle paar Wochen Bataillone von Ökonom*innen und Lobbyist*innen die Leitzinsen. Diese haben dann Einfluss auf Geld, Kapital und Volkswirtschaft. Dabei wird immer offensichtlicher, dass die Entscheidungen über Zinsen und Anleihekäufe – also darüber mehr oder weniger Geld in den Markt zu pumpen – Politik für die ganz Großen ist. Das Geld zirkuliert nämlich hauptsächlich am Finanzmarkt selbst und beschert dort große Gewinne, bei enorm aufgeblasenen Werten. Stabil wirkt da schon lange nichts mehr.

Vor diesem Hintergrund ist es nachvollziehbar, dass sich das Bedürfnis alternativer Finanzsysteme entwickelt. So lange sie Finanzsysteme im derzeitigen Finanzsystem sind, nach defacto denselben Spielregeln, kann so etwas kein alternatives Projekt sein. Und je erwachsener sie werden, desto altbekannter sind auch ihre Bedürfnisse. Am Krypto-Markt entwickeln sich Börsen, Depot-Banken, Kredit-Plattformen, Versicherungen – und eben auch „stabile“ Coins, die ihre eigene Geldpolitik machen. Nur ohne die altbackenen Eliten.

Das Menschenbild von Stablecoins

Vor allem die algorithmisch stabilisierten Stablecoins beruhen auf der Annahme, dass alle rational handeln, und es ein objektiv ökonomisches Verhalten gibt. Eben einfache wenn-dann-Bedingungen für Angebot und Nachfrage. Sie beruhen auch auf der Annahme von Marktvertrauen. Solange alle glauben, dass der weltweit größte Stablecoin Tether zu 100 Prozent mit Dollar besichert ist und der Algorithmus von Terra/Luna seinen Job macht, funktionieren die Systeme. Wenn das Vertrauen sinkt, sinkt der stabilste Coin. Terra ist daher kein Einzelfall: Stablecoins wie SafeDollar, Empty Set Dollar, Basis Cash USD, BitUSD, DigitalDollar, NuBits – sie alle konnten ihre Bindung an den Dollar nicht aufrechterhalten. Viele stürzten ab.

Vertrauen ist der Grippeblocker für ansteckende Krisen

Das hat Parallelen zu den historischen Beispielen von Währungskrisen. Auch in der FIAT-Welt gilt: Bei Hyperinflation und Währungskollaps ist oft der einzige Ausweg, die alte Währung durch eine neue zu ersetzen, und mit einem Versprechen auszustatten: Mit dem Recht, die Währung wirklich jederzeit in Gold oder Dollar tauschen zu können. Wenn die Leute darauf vertrauen, ist die Währungskrise in kurzer Zeit abgewendet (zumindest vorübergehend, siehe das Beispiel Argentiniens).

Unsere FIAT-Währungen sind längst nicht durch eine bestimmte Reserve in Gold oder eine Leitwährung stabilisiert. Hinter der Währung steht die gesamte Volkswirtschaft. Alles steht und fällt mit dem Vertrauen in deren Tragfähigkeit und ihr Zahlungsversprechen. Das allein verhindert eine Hyperinflation, also einen völligen Zusammenbruch einer Währung. Schwindet das Vertrauen in den Nutzen eines Zahlungs- und Wertaufbewahrungsmittels – nach Marx könnte man sagen: schwindet das Vertrauen in seine Realisationsmöglichkeit von Wert – kollabiert es. Egal ob Krypto oder FIAT, egal ob gesetzliches Zahlungsmittel oder Coins.

Rettet schlussendlich die EU die Stablecoins?

Vertrauen hängt im Finanzwesen eindeutig von Regulierung ab. Da können die Coins noch so underground sein, bei all den Dramen will der Markt jetzt Lauterkeit. Da kommen die klassischen Institutionen und Behörden ins Spiel, und die Politik greift ein: Derzeit ist eine EU-weite Regulierung des Krypto-Markts im Endspurt. Die MiCA Verordnung bringt knapp 200 Seiten an Regeln und hat einen riesigen Abschnitt für Stablecoins. So ernst nehmen also die Regulator*innen die Coins. Für die Zukunft bedeutet das zweierlei und einerlei nicht:

  • Stablecoins werden mehr und mehr Teil des normalen Geschehens
  • Sie werden ein bisschen ordentlicher
  • Sie werden nicht stabil und verlässlich – das schafft keine Regulierung der Welt für Finanzmärkte.

Also keine virtuellen Illusionen. Stabilität und Krisenfestigkeit gibt es nur bei vollständiger Erosion dessen, wie Kapital entsteht, und wie es verwendet wird.

Bibi K. schreibt in einer vierteiligen Serie, was Marx, Keynes und Mises über Bitcoin sagen würden.

Im dritten Teil ging es um die Kernfragen einer möglichen Werttheorie rund um Bitcoin: Darum, ob der Wert aus Arbeit, Nutzen oder Knappheit resultieren könnte, und darum wer ihn erzeugt, Mensch oder Rechner. Im vierten und letzten Teil sehen wir uns an, welche Rolle Bitcoin in Geld- und Preiskrisen haben kann.

Eine besondere Betrachtung verdient nämlich die Zuschreibung von Bitcoin, ein inflationsgeschütztes Gut zu sein. Das würde bedeuten, dass sich der Preis von Bitcoin nicht ändert, nur weil sich die VerbraucherInnenpreise ändern. Das folgt aus der Vorstellung „digitales Gold“ zu sein, die allerdings angesichts der ungleichen Entwicklung von Bitcoin- und Goldpreis schwer haltbar ist. Bitcoin-Preise gelten darüber hinaus auch als wenig korreliert (gleichlaufend) mit den Preisen anderer Finanzinstrumente. Das kann als Inflationsschutz interessant sein.

Implizit unterstellt man Bitcoin damit auf lange Sicht eine Stabilität, die das FIAT-System mit seinen krisengeneigten Banken und dem aufgeblasenen Monetärsystem nicht bieten kann. Daher gefällt Bitcoin auch all jenen, die wieder zurück zu einem fixen Goldstandard wollen. Das Kreditgeld gilt als Übel; ganz nach alter mitteleuropäischer BuchhalterInnen-Manier soll jemand (die Bank, Wirtschaft, der Staat) möglichst nur das ausgeben, was er/sie auch eingenommen hat: Beispielsweise soviel, wie er/sie Bitcoin geschürft hat. Die Menge an Bitcoin ist per Design auf 21 Millionen begrenzt, sie kann nicht weiter ausgeweitet werden. Deshalb liest man oft, Bitcoin sei prinzipiell knapp und „deflationär“, der Wert steige immer.

Bitcoin ist begrenzt – macht es das sicher?

Das ist einerseits irreführend, weil der Begriff Inflation auf einen generellen Anstieg der VerbraucherInnenpreise abzielt, nicht auf eine einzelne Ware. Andererseits beruht es auf der Annahme von Neoklassik und Nationalökonomie, dass Inflation vor allem ein Phänomen der (begrenzten) Menge ist. Dem widerspricht wieder Marx, für den die Werte der zirkulierenden Güter nach einer bestimmten Menge Geld verlangen. Dieser Pfad kann dann verlassen werden, wenn Kreditgeld entsteht, das künftige Güterproduktion antizipieren will. Durch Kreditgeld wird die Geldmenge über die vorhandenen Werte hinaus ausgeweitet. Wenn es dann nicht zu entsprechendem Wachstum von Produktion führt, entsteht Inflation. Das ist genau, was wir die letzten Jahre gesehen haben: Viel neues Geld, wenig neue Produktion, Angst vor Wirtschaftskrise und Deflation. Wann und ob die unkontrollierte Inflation einsetzt, ist eine der heißtesten Diskussionen des Jahres. Und es ist schwer verdaulich, wie so eine fundamentale Frage von ÖkonomInnen nicht beantwortet werden kann.

Bitcoin funktioniert anders als Kredit-Geld…

Es gibt kein prinzipielles Hindernis, über Bitcoin-Kredite eine Art Buchgeld zu schaffen. Bitcoin selbst kann durch den Erzeugungsalgorithmus nicht durch Kredit geschaffen werden, aber komplementäre kreditbasierte „Buch-Bitcoin“ sehr wohl. Je mehr sich Finanzintermediäre in dem Bereich entwickeln, die mit Crypto-Assets ihr Geschäft machen, desto eher könnten diese so etwas anbieten.

Wird weiterhin kein Bitcoin-Buchgeld geschaffen, hat Bitcoin einen entscheidenden Nachteil: Große Konjunkturprogramme, monetäre Eingriffe wie die Anleihenkäufe, die eine weitere Finanzkrise wahrscheinlich verhindert haben, Zinssenkungen- und Erhöhungen zum Ankurbeln und Drosseln von Produktion – das alles ist nicht möglich. Ohne Kreditgeld keine moderne Monetärpolitik. Das kann man gut oder schlecht finden, man muss nur mit einer neuen Unflexibilität rechnen. Nicht umsonst ist man von Goldstandard und fixen Wechselkursen weggegangen: Gerade die (Post-)keynesianistische Wirtschafts- und Monetärpolitik, die beispielsweise vom Groß der Sozialdemokratischen Parteien weltweit unterstützt wird, braucht Instrumente zur Nachfragesteuerung durch den Staat. Gibt es genug Nachfrage, kurbelt das auch das Angebot an, und bringt Wachstum und Beschäftigung.

… und funktioniert daher im kapitalistischen Ernstfall nicht

Bitcoin kann ohne Kreditgeld keine Hypo Alpe Adria und kein Corona abfedern. Dafür braucht es in einer so irrationalen Wirtschaft wie wir sie leben, hin und wieder den Mechanismus, einfach Zahlen auf Bankkonten schreiben zu können, um Vertrauen und Stabilität zu sichern. Wenn ein solcher Mechanismus nicht besteht, kann es leichter zu Liquiditätskrisen kommen. Das bedeutet, dass niemand mehr sein Gegenüber bezahlen kann. Ganze Staaten wären in der Finanzkrise pleite gegangen, hätte man nicht Zahlen in Bücher geschrieben. Das bedeutet, dass sie keine Krankenpfleger, keine Lehrerin, keine Beamtin mehr bezahlen hätten können. Land, Wirtschaft und Beschäftigung kämen in einer Krise schnell zum Erliegen.

Man kann dies nun mit Mises, Hayek und Schumpeter mit Achselzucken und Freude an der schöpferischen Zerstörung sehen. Oder man weiß, dass eine solche Zerstörung stets auf dem Rücken der arbeitenden Bevölkerung, der Frauen, der Kranken, der Kinder ausgetragen wird; dass das Existenzen bedroht, nicht (nur) von ein paar BankerInnen, sondern von „realen“ Leuten die um ihr Leben kämpfen. Für den liberalen Keynesianer Krugmann aus unserem youtube-Video ist Bitcoin vor diesem Hintergrund monetärpolitisch ein 300-Jahre-Rückschritt.

Monetärpolitik ist viel Gelderzeugung aus dem Nichts. Sie ist das notwendige Beruhigungssubstrat, Opium des Kapitals, wenn man den Kapitalismus als krisenanfällig begreift, aber immer noch als geringstes Übel unter den Systemen aufrechterhalten will. Keynesianistische ÖkonomInnen, und auch die FED (Federal Reserve, die US-Notenbank) und die EZB (Europäische Zentralbank, die EU-Währungsbehörde), nehmen das so hin. Gruselig finden das vor allem Neoklassik und Nationalökonomie – und Bitcoin-Afficionados selbst: Sie folgen mit der Ablehnung von aktiver Monetärpolitik und staatlicher Intervention ideologisch vor allem der österreichischen Schule der  Nationalökonomie. Auch die EZB steckt Bitcoin in die Schublade von Mises und Hayek.

Kredit und Krise in Krypto

Aber auch abseits der Krise ist Kreditgeld notwendiges Mittel, dass es flutscht. Für Marx entwickelte sich das Kreditwesen notwendigerweise, da es die materielle Entwicklung der Produktivkräfte beschleunigte. Er wird aber auch nicht müde zu betonen, dass der Kredit die gewaltsamen Ausbrüche des Widerspruchs, der Krisen, gleichsam beschleunigt. Ebenso notwendig und krisenhaft ist Geld für Post-KeynesianerInnen.

Der Algorithmus von Bitcoin sorgt dafür, dass ein Zuwachs an Nachfrage keine zusätzliche Menge bereitstellen kann. Der Markt kann daher den Preis nicht regulieren, er reagiert recht sensibel auf einen Nachfrageanstieg. Das macht ihn für Libertäre unsympathisch. Auch Autor und „Telekommunist“ Dmytri Kleiner urteilt vernichtend: Bitcoin hätte nichts besser gemacht, hätte katastrophale Umwelteffekte und sein Versprechen nicht eingelöst, Machtapparate zu beschränken. Es sei desaströs gescheitert. Kleiner schlägt daher eine Kryptowährung vor, deren Menge elastisch auf Angebot und Nachfrage reagiert, sodass der Preis stabiler bleibt. Eine „rationale“ Crypto-Currency, mit einer besseren Umsetzung der (klassischen) Arbeitswertlehre in Form einer stabilen work:coin ratio.  

Kleiner schreibt das bereits vor drei Jahren, 2018. Bitcoin ist zwar immer noch die dominierende Crypto-Currency, aber sein Marktanteil ist Ende 2021 rapide von 70 Prozent auf 45 Prozent gefallen. Kleiner und Krugman hätten mittlerweile mindestens 15.000 Bitcoin-Konkurrenten mit potentiell besseren Eigenschaften: Gold-gebundene (Digix Gold), Dollar-gebundene (USDT) und kompliziertere Stable-Coins (DAO); schnellere und energiesparendere (Ripple); Coins mit breiten ökonomischen Anwendungsfällen (Ether); Coins mit eingebauter „Monetärpolitik“ (Ampleforth). Für den erhöhten subjektiven Nutzen können die österreichischen NationalökonomInnen sogar Crypto-Assets mit süßem Hundebildchen handeln (der Coin heißt Baby Shiba und trendet gerade). Die Welt hatte noch für jedes Bedürfnis einen passenden Preis.

Fassen wir noch ein letztes Mal zusammen:

Kredit ist die einzige Art, wie eine kapitalistische Wirtschaft wachsen kann. Gleichzeitig ist er Grund für Krisen. Mit diesem Widerspruch muss mensch sich nicht abfinden. Aber eine Veränderung liegt nicht in der Schaffung eines „besseren“ Zahlungsmittels, wenn die darunter liegenden Produktions- und Zirkulationsverhältnisse unberührt gelassen werden. Bitcoin ist schon funktional kein Zahlungsmittel, sondern eine Ware mit Wert. Viel mehr Zauber ist nicht daran. Zu betonen, dass Bitcoin null Wert hat und deswegen eine irrationale Sache wäre, moralisiert die Vorstellung von Wert und führt zu keinem tieferen Verständnis davon, wie Wert in einer Wirtschaft entsteht. Wenn wir Bitcoin für eine gesellschaftlich unerwünschte Ware halten, vor allem wegen seines massiven Umwelt-Impacts, sind politische Maßnahmen zu treffen. 

Endlich Ende.

Bibi K. schreibt in einer vierteiligen Serie, was Marx, Keynes und Mises über Bitcoin sagen würden.

Im zweiten Teil haben wir uns angesehen, wie sich Bitcoin zu Geld verhält und was ein Zahlungsmittel können muss. Im dritten Teil geht es ans Eingemachte: Wir begeben uns auf die Suche nach dem Wert.

Bitcoin wird nicht nur von Paul Krugmann „vorgeworfen“, nichts wert zu sein. Bitcoin ist keine Salami, die ich essen kann, wo ist da der Nutzen? Preise richten sich generell nicht am Nutzen einer Sache: Schon Ricardo stellt fest, dass lebensnotwendige Güter wie Wasser und Luft billig bis kostenlos sind. Funkelnde Diamanten, die eigentlich niemand braucht, sind viel wert. Bei Bitcoin ist es ähnlich, nur funkeln sie nicht einmal. Spätestens jetzt sprechen ÖkonomInnen von der Bitcoin-Blase, die jederzeit platzen kann. Die Vorstellung: Aufgeblasene Werte werden früher oder später korrigiert, wenn der Markt zur Vernunft kommt.

Woher wissen wir, ob etwas eine Blase ist?

In der ökonomischen Theorie gibt es zwei grobe Stränge: Den einen, der den Wert einer Sache in etwas Objektivem findet. Es sind die KlassikerInnen, Smith, Ricardo und in Weiterentwicklung Marx, bei denen sich der Wert einer Sache nach dem enthaltenen Arbeitsaufwand richtet. Die Abweichung von Marx zu den Vorgängern ist, dass nicht die jeweils konkrete menschliche Arbeit „Wertsubstanz“ einer Ware oder Dienstleistung ist. Vielmehr ist es die unter durchschnittlichen Bedingungen benötigte, um die Ware zu reproduzieren. Im Tausch zeigt sich, ob ich als konkrete Produzentin mit meiner Ware über oder unter ihrem Wert produziert habe. Die andere große Richtung ist jene, die den Wert subjektiv allein in den Wünschen der Tauschenden entstehen lässt.

Kommt Wert aus Arbeit, Nutzen oder Knappheit?

Die Arbeitswertlehre ist im 20. Jahrhundert aus der Mode gekommen. Neoklassik und (Post-) keynesianistische Theorien setzten sich durch. Brutal und wirklich nur für ein Grundverständnis zusammengefasst gilt:

Für die KlassikerInnen wie Mill, Smith und Ricardo ist Arbeit die Quelle allen Reichtums und Grundlage für einen Preisausdruck in Geld. Einzelne WarenbesitzerInnen wollen Produkte ihrer Mühe nur gegen Produkte von gleicher Mühe tauschen. Jedes Gut hat also einen geradezu natürlichen Wert in konkreter Arbeit.

Für MarxistInnen und Teile linker heterodoxer ÖkonomInnen ist der Preis ebenfalls Geldausdruck von Wert. Das ist aber die abstrakte menschliche Arbeit in einem Produkt. Der Preis eines Produkts oszilliert je nach Angebot und Nachfrage um seinen Wert, es fließt auch ein Durchschnittsprofit mit ein. Der Marktpreis ist daher nichts Willkürliches: Man versteht ihn nur aus diesen Werten heraus. Die Geldmenge beeinflusst die Preise nicht.

Für VertreterInnen der Neoklassik (Walras, Menger) ist etwas etwas wert, wenn es subjektiv nützlich und knapp ist. Statt objektivierten Produktionskosten wird der Preis durch „Grenznutzen“ des Konsumenten (Nachfrage) und „Grenzkosten“ der Produzentin (Angebot) im Tausch hin- und herverhandelt. Der Preis ist das Gleichgewicht davon. Die Geldmenge beeinflusst die Preise sofort: Wenn es weniger knapp ist, ist Geld für alle subjektiv weniger wert.

Der Wert von Champagner, Bitcoin und Sunkist

Für VertreterInnen der „österreichischen Schule“ der Nationalökonomie (Mises, Hayek) entstehen Preise überhaupt nur mehr in vielen Einzelfällen basierend auf Information und subjektiver Nützlichkeit. Champagner hat deshalb so hohen Wert, weil viele ihn lieber trinken, als Sunkist. Und weil der nächste Tauschende im Sunkist-Preis sieht, wie gern jemamd das letzte Mal Sunkist gehabt hat, tragen sich Preise ungefähr weiter (Preis ist Information!). Die Geldmenge beeinflusst Preise stark, aber kann die Werte von Sachen nie steigern. Geldpolitische Eingriffe stören daher die Gleichgewichtspreise und geben Grund für Finanzblasen. 

AnhängerInnen von Keynes schauen nur auf Preise, und fragen selten nach einem Wert. Die (zahlungskräftige) Nachfrage bestimmt die Preise. Die Nachfrage kann man aber steuern, ohne dass Preise steigen müssen: zum Beispiel über niedrige Zinsen, um die Investitionsnachfrage anzukurbeln. Die Geldmenge ist nicht das Entscheidende für die Preise. Preise und Werte, das kann in den ökonomischen Schulen schon verwirren.

Bei den KlassikerInnen und bei Marx wäre Bitcoin etwas wert, wenn (gesellschaftlich durchschnittliche) Arbeit für seine Erzeugung aufgewandt wurde. Neoklassik und Nationalökonomie versuchen, Bitcoin subjektiven Nutzen zuzuschreiben oder vom NULL-Wert auszugehen. Letzteres führt dazu, dass der Preis von Bitcoin wieder null werden muss.

Du bist noch nicht der größte Trottel

Es kann durchaus attraktiv sein, sich eine Zeit lang an der Blase zu beteiligen: Solange man meint, es finde sich schon noch ein größerer Trottel, der einem den Bitcoin abkauft. Das nennt sich „Greater Fool“-Theorie. Preise steigen eine längere Zeit, auch wenn alle wissen, dass etwas nichts wert ist. Der Preis entsteht dann als self-fulfilling-prophecy einzig aus der Vorwegnahme, dass andere glauben, der Preis steigt. Die OECD erklärt beispielsweise einen rasanten Preisanstieg von Bitcoin 2013 ausschließlich mit „Greater Fool“.

Wert der Ware Bitcoin

Behandeln wir Bitcoin als Ware können wir zunächst leicht feststellen, dass Bitcoin erzeugt werden. In Bitcoin steckt viel „tote Arbeit“, also Produkte, die die Bitcoin-Minerin selbst zukauft: Computer und Strom. Dafür wurde bereits menschliche Arbeit aufgewandt, die nun in die Bitcoin-Produktion übertragen wird. Bitcoin-Mining kommt aber nicht ohne menschliche Arbeit aus: Ein Computer kommt nicht auf die Idee, Bitcoin zu erzeugen. Die Verwandlung von Rechenleistung und Strom in eine neue Ware bleibt eine menschliche Handlung unter Zu-Hilfe-Name von Maschinen.

Tätigkeiten verschieben sich hin zu Planungs-, Steuerungs-, Kontroll- und Entwicklungstätigkeiten. Der technische Fortschritt, erzwungen durch die Konkurrenzsituation, erfordert, dass der Mensch die technischen Systeme, mit denen er/sie Bitcoin produziert, immer wieder erneuert. Es ist viel Einsatz von Investition und Innovation nötig, um im Wettstreit um die immer schwieriger zu erzeugenden Blocks bestehen zu können. Das beinhaltet Arbeit. Nicht umsonst heißt der Mechanismus zur Bitcoin-Erzeugung „Proof-of-Work“.

Arbeiten Maschinen für den Wert von Bitcoin?

Der technologische Fortschritt bringt es in vielen Bereichen mit sich, dass Waren durch minimalen Einsatz menschlichen Zutuns geschaffen werden. Es gab Zeiten, in denen konnte man Bitcoin mit einer Grafikkarte und dem eigenen Rechner daheim minen. Man war selbst Produzentin, setzte eine Maschine und Arbeitszeit ein (und sei es nur um Teile heranzuschaffen und zu warten) und streifte den geminten Bitcoin ein. Der produzierte Mehrwert wäre der Wert, um den der neue Bitcoin den aufgewandten Teil der Maschine und den Strom übersteigt. Anders läuft das heute, etwa in der Firma Greenidge Generation. Dort arbeiten mittlerweile dutzende Personen an riesigen sogenannten Mining-Rigs, bestehend aus 15.300 Servern. Die US-Firma erwarb ein eigenes Kraftwerk, um günstigeren Strom zu verwenden. Hier herrscht industrielle Bitcoin-Produktion. Die Angestellten erhalten einen Teil des Mehrwerts aus dem Mining als Lohn, den anderen Teil behalten sich die UnternehmenseigentümerInnen als Profit.

In Marx‘ politischer Ökonomie erzeugen Maschinen und Elektrizität keinen Mehrwert. Sie helfen aber der Mehrwertproduktion, in dem sie die Produktivkraft der menschlichen Arbeitskraft steigern. Das verbilligt die Produktion und lässt einen günstigeren Preis zu, mit dem man andere unterbieten kann. Die Maschine selbst ist aber bereits Wert, den die Kapitalistin als Input für ihre Produktion ankauft. Die Maschine gibt einen Teil ihres Werts in der Produktion des neuen Guts ab. Maschinen werden eingesetzt, wenn es die Konkurrenzsituation darauf anlegt. Im High-Tech-Kapitalismus ist der Einsatz von Maschinen und die konkurrenzgetriebene Innovation genauso die Regel, wie eintönige Fließbandproduktion durch Billigstarbeitskräfte. Wenn hundert Menschen die Rechenaufgaben im Bitcoin-Mining billiger lösen könnten, als die 15.300 Server der Firma Greenidge, würde das Unternehmen es durch menschliche Arbeitskraft erledigen lassen.

Krypto-Netzwerkeffekte

Der Wert einer Sache ist nichts Stoffliches, das ist in digitalen Zeiten leicht begreiflich. Er hängt davon ab, was es bräuchte, eine Sache zu (re-)produzieren. Darin fließt sogar ein, was in den letzten Jahren in der Krypto-Ökonomie an Markenwert und Netzwerkeffekten durch andere Coins und neue Einsatzmöglichkeiten erarbeitet wurde.

Von Wert und Müh‘

Damit etwas einen Wert hat, reicht es nicht, dass (Arbeits-)Mühe damit verbunden ist. Es muss einen Nutzen haben. Für viele ist das bei Bitcoin nicht ersichtlich. Die klassischen Beispiele für Gebrauchs- und Nutzwerte sind auch immer Stühle, Mehl und Leinwände. 

Der Nutzen von Bitcoin ist nicht für alle gleich, aber vielfältig: Als inflationsgeschütztere Geldanlage, als Zahlungsmittel, wenn traditionelle Kanäle nicht möglich sind (Stichwort Iran-Sanktionen), als anonymes Zahlungsmittel (hier sitzen einige dem Irrtum einer völligen Anonymität auf, Bitcoin ist aber pseudonym). Manche AutorInnen beschreiben einen psychologischen Nutzen, zu einer trendigen Community zu gehören. Vor allem aber ist Bitcoin alternative Geldanlage, eines der wenigen Assets, die im Niedrigzinsumfeld so richtig durch die Decke gegangen sind.

Nur etwas, das irgendeinen Nutzen für Viele hat, kann einen Preis haben. Knappheit alleine, die vor allem in der österreichischen Schule der Nationalökonomie den Grund für Wert sieht, ist noch kein Nutzen. Der Nutzen als Spekulationsobjekt kann jede Ware treffen, die schon einen Wert hat. Sämtliche subjektivistischen Theorien von Angebot und Nachfrage sind hier völlig nutzlos, weil sie nicht sagen, ob ein Preis weiter steigen kann. Ähnlich bei Krugmann: Vielleicht platzt die Bitcoin-Blase bald, vielleicht nicht.

Fassen wir zusammen:

Es ist keine schlüssige Erklärung für den Bitcoin-Preis, knapp und ein Spekulationsobjekt zu sein. Letzteres ist die Konsequenz davon, dass Bitcoin eine Ware mit Wert ist. Dass Bitcoin einen Nutzen hat, ist ausschlaggebend dafür, dass es getauscht wird. Die Höhe des Werts und damit ein Preis ergibt sich daraus noch nicht, da der Nutzen unterschiedlich für alle ist.

Folgt man Marx und KonsortInnen, wird sich der Preis immer wieder rund um die in Geld ausgedrückte gesellschaftlich durchschnittliche Arbeit bewegen, die in seiner Produktion aufgewandt wurde. Er wird nicht auf NULL platzen.

In Teil IV: Bitcoin ist für Viele ein Hafen für die drohende Hyper-Mega-Apokalypto-Inflation. Digitales Gold. Aber kann Bitcoin selbst keine Inflation haben? Könnte Bitcoin funktional vielleicht sogar Krisen verstärken? Wo sich neoliberale und kapitalismuskritische Voll-Geld-Afficionados einig werden.

Bibi K. schreibt in einer vierteiligen Serie, was Marx, Keynes und Mises über Bitcoin sagen würdenIn Teil II: Geld oder Ware – Was ist die Kryptowährung für ein Ding?

Im ersten Teil haben wir uns an die Frage herangetastet, was bei Bitcoin anders ist, als bei bekannten Zahlungs- und Finanzsystemen. Hanteln wir uns nun zur eigentlichen Frage weiter, dem Wert. Wir wollen ja eine Werttheorie zu Bitcoin entwickeln. 

Einigkeit besteht heutzutage darüber, dass die Kryptowährung ein „Vermögenswert“ ist. Obwohl technisch nur unselbstständiger Teil einer Transaktions-Liste, kann man über Bitcoin „einzeln“ verfügen und Rechtsgeschäfte abschließen. Man kann beispielsweise eine Pizza bezahlen – die berühmte allererste Bitcoin-Transaktion: Die beiden Pizzen wären heute 80 Millionen US-Dollar wert. Oder man kann Bitcoin gegen einen anderen verrückten Coin tauschen. Anders als andere digitale Güter, beispielsweise das gekaufte World-Of-Warcraft-Schwert, das ein Lizenzrecht ist, stellt Bitcoin selbst kein Recht dar. Es kann aber Gegenstand von Rechtsgeschäften sein.

Was macht ein Zahlungsmittel zum Zahlungsmittel?

Ab dann scheiden sich die Geister. Meist wird über Bitcoin als Geldersatz geredet, wie bei Krugmann. Um Zahlungsmittel zu sein braucht es nicht vom Staat geschaffen zu werden: Digitales Buchgeld (FIAT-Geld) wird wesentlich durch Private (Banken) erzeugt, indem sie Kredite vergeben und dafür ein paar Zahlen in ihre Bücher eintippen. In manchen Zeiten wurden Zigaretten, Goldschmuck oder Muscheln zur Zahlung verwendet. Dinge, von denen man sich sicher war, dass jemand anderes sie auch wieder nehmen würde, weil er/sie wiederum damit tauschen kann.

Geld entwickelt sich nicht, weil der Staat es zu Geld bestimmt. Vielmehr ist die Bestimmung als gesetzliches Zahlungsmittel eine Folge davon, dass sich in einer Wirtschaft ein sogenanntes allgemeines Äquivalent entwickelt hat. Es muss ein Symbol für etwas sein, das den meisten Waren und Dienstleistungen gemein ist. Etwas, das sie austauschbar macht, in ein Verhältnis zueinander setzt und verrechenbar macht; Etwas, das ihren Wert aufbewahren kann. Historisch entwickelte sich Gold als Stellvertreterin für den Wert von Waren.

Wenn wir uns die Frage stellen, ob Bitcoin Geld ist, fragen wir also, ob es ein ähnlicher Stellvertreter für Werte sein kann, eine Geldware. Gold wurde schließlich auch durch andere Zeichen ersetzt, zuerst die Banknote, dann das FIAT-Geld.

Bitcoin: Unsicher und dennoch für viele Geldersatz

Die Allgemeinheit verwendet Bitcoin weniger als Zahlungsmittel, sondern vorrangig als Spekulationsobjekt. Gegenüber anderen Assets ist es extrem volatil und hat damit eine miserable Sicherheit, es für spätere Zahlungen verwenden zu können. Es gibt dennoch genügend Anwendungsbeispiele für die Akzeptanz zu Zahlungszwecken: jüngst erklärte El Salvador es sogar zum gesetzlichen Zahlungsmittel. Es gibt die Geschichte afghanischer Frauen, die mit Bitcoin-Löhnen einer NGO ohne Bankkonto ihre Flucht bezahlen konnten. Aber unproblematisch ist das nicht: Die Löhne hätten zwei Wochen nach Auszahlung nur mehr halb so viel wert sein können.  In der Regel finden die ÖkonomInnen aller ideologischen Richtungen Bitcoin als Zahlungsmittel uninteressant. Die Transaktionen sind im Vergleich zu Bank-Zahlungen verhältnismäßig teuer und langsam. Die hohe Volatilität lässt jede Händlerin unsicher darüber, ob nicht sogar zwischen Zahlung und Buchung schon wieder Wertverluste eingetreten sind.

Geld bei Smith, Marx u. Co.

Bei den KlassikerInnen (Smith, Ricardo) und bei Marx wäre Bitcoin kein Geld, könnte es aber immer mal werden. Geld braucht weder einen „intrinsischen“ Wert (auch bei Gold reduziert sich die Diskussion irgendwann auf Härte und Glitzern), noch braucht es einen politischen Staatsakt, der es zu Geld erklärt. Es entwickelt sich im Produktionsverhältnis als Ausdruck für Wert. Geld ist keine Sache im eigentlichen Sinn, sondern ein gesellschaftliches Verhältnis. Bitcoin wäre gesellschaftlich derzeit einfach funktional nicht im Kapitalkreislauf etabliert.

In der Tradition der österreichischen Nationalökonomie (Mises, Hayek) ist Bitcoin grundsätzlich kein Geld, da es niemals irgendeinen Wert basierend auf einer Nützlichkeit hatte, von der es nun seinen Geldwert ableiten könnte. Bitcoin wäre irrational „by design“.

VertreterInnen der (Post-)Keynesianistischen Theorie, unter anderem der Modern Monetary Theory, sehen Bitcoin ad definitionem nicht als Geld. Geld ist das, was vom Staat zur allgemeinen Akzeptanz bestimmt ist. KeynesianistInnen sehen die Kryptowährung wie Gold.

Bitcoin entsteht nicht als Kredit

Eines wird in der Debatte rund um Bitcoin und Geld wenig beachtet: Es gibt kaum Kredit-Wirtschaft mit Bitcoin. Kredit ist aber eine wesentliche Funktion von Geld in einer auf Wachstum gerichteten Wirtschaft. Auch wenn erste Dezentralized Finance (DeFi) bereits Anwendungen, Kredite und Schuldverschreibungen auf ermöglichen – sie sind (noch) die Ausnahme. Im Entstehungsprozess auf der Blockchain ist jedenfalls kein Kreditgeld vorgesehen. Anders als bei FIAT-Geld, das hauptsächlich Kreditgeld und Geld durch Zentralbank-Bucheinträge ist.

Das macht Bitcoin als Zahlungsmittel für eine wachstumsorientierte kapitalistische Ökonomie unattraktiv, da nicht einfach vorübergehend eine beliebig große Menge erzeugt werden kann, um beispielsweise einen Krieg oder ein Corona-Programm zu finanzieren.

Fassen wir zusammen:

Bitcoin ist kein Zahlungsmittel, weil es nur in untergeordnetem Ausmaß als solches verwendet wird. Das „degradiert“ die Kryptowährung zu einer Ware, die gelegentlich durch den gesellschaftlichen Gebrauch eine Zahlungsfunktion erhält.

In Teil III: Als Ware hat Bitcoin einen Preis, und der ging die letzten Jahre durch die Decke. Aber haben uns nicht schon Gold, Tulpen und Magic-Karten in der Geschichte gelehrt, dass Preise etwas Willkürliches an sich haben? Bei Krugmann schon: Für ihn sind Preise das, was Angebot und Nachfrage für den Wert halten. Bitcoin ist nur Ausfluss von „libertärem Quatsch“, für den Leute bereit sind viel zu bezahlen. Aber warum bloß? Preise sind selbst für Nobelpreisträger etwas sehr Spukhaftes.

Bibi K. schreibt in einer vierteiligen Serie, was Marx, Keynes und Mises über Bitcoin sagen würden. In Teil I: Was ist das Neue an der Kryptowährung, wie funktioniert sie und was ist von der „verwegenen Anarcho-Sache“ eines dezentralen Zahlungssystems übrig?

Blogs und OkönomInnen erklären aktuell gerne, dass Bitcoin nichts wert sei. Sie vergleichen es dazu mit Buchgeld (FIAT-Geld, Geld auf Konten von Banken). Warum ist dieses Buchgeld in Form von ein paar Zahlen auf dem Konto etwas wert? Für Paul Krugman etwa, weil man Steuern damit bezahlen könne; der Staat habe Buchgeld zum Zahlungsmittel erklärt. Bitcoin ist kein staatliches Versprechen und keine Forderung gegen die Bank. Es könne daher keine Evolution von Geld sein. Ende der Geschichte über den (fehlenden) Wert von Bitcoin.

Bitcoin für Eilige

Man spare sich die schlechten Metaphern (Bitcoin ist wie ein Buch, wie Elektrizität, wie ein Kaninchenbau,…) um die Kryptowährung zu verstehen. Die Bitcoin-Blockchain ist einfach eine riesige Liste an Transaktionen von digitalen Coins. Diese Liste wird laufend unter den „Nodes“ (Computer, die eine bestimmte Software laufen lassen) geteilt und immer neue Bitcoin-Transaktionen daran angehängt, eine nach der anderen.

Möchte ich Bitcoin an jemanden verschicken, sende ich eine Transaktionsanfrage an alle. Die erste Node, die sie an einen neuen Block dranhängt, bekommt einen Block-Reward: einen neuen Bitcoin (er wurde „gemined“, „geschürft“). Erster ist jener Computer, der am schnellsten eine Rechenaufgabe löst, sodass der neue Block mathematisch zum letzten passt. Meist sind das diejenigen Computer, die besonders viel Rechenleistung dafür aufwenden. Dieser Mechanismus zur Schaffung neuer Blöcke nennt sich „Proof of Work“. Ist die neue Transaktion angehängt, wird die Blockchain aktualisiert und unter allen geteilt. All das läuft automatisch, kryptographisch verschlüsselt. Einen Bitcoin gibt es daher nicht ohne die Blockchain. Er hat keinen Ort, weil er nur unselbstständiger Teil einer verteilten Transaktionsliste ist. Anders als das Online-Bankkonto, das zentral auf Servern der Bank liegt.

Blockchain-Transaktion visualisiert, Quelle: coinpedia.org.

Rechtsanspruch und Nutzerfreundlichkeit

Der Algorithmus beschränkt die Menge von Bitcoin, die erzeugt werden können, auf 21 Millionen. Das macht er, indem er es mit der Zeit laufend technisch schwieriger bis nahezu unmöglich macht, einen neuen zu minen. Die Blockchain betreibt niemand. Damit hat auch niemand einen Rechtsanspruch, Bitcoin wirklich übertragen zu bekommen. Das ist das wirklich Neue an dieser Kryptowährung. Typischerweise agieren private NutzerInnen wie du und ich aber nicht direkt auf der Blockchain, sondern haben einen Dienstleister dazwischen. Der bietet mir eine „Wallet“ und ich zahle ihm Gebühren dafür, den Schlüssel (Key) zu meinen Bitcoins zu halten und sie mir auf Wunsch zu tauschen. Das ist dann ein ganz normales Vertragsverhältnis mit dem Dienstleister. Es macht Bitcoins benutzerfreundlich.

Das zwiespältige Verhältnis zu Staat und Finanzmarkt

Bitcoin und andere Crypto-Assets haben einen Nimbus als verwegene Anarcho-Sache. Die Idee eines dezentralen Systems für Zahlungen war eine Antwort auf die Finanzkrise 2008. Banken und Finanzintermediäre zu umgehen bekam Sex-Appeal, obgleich Bitcoin nie ein dezidiert politisches Projekt war. Es begann als Spielerei einer Szene. Ein paar Jahre später ist es eine milliardenschwere Industrie.

Längst wittern Banken und neue Finanzplattformen ein Geschäft. Es entwickeln sich Krypto-Tauschplattformen, Wallet-Anbieter und Trading-Apps; Facebook will ein eigenes Krypto-Zahlungssystem etablieren; riesige börsegehandelte Fonds entstehen, die in Cryptos investieren. Sie alle leben von den Gebühren der UserInnen – in sehr realem Geld. Bitcoin mag technisch funktional ein dezentrales System sein. Der Kapitalismus hat es längst wirtschaftlich zentralisiert.

Selbst Zentralbanken überlegen aktuell laut digitales Zentralbankgeld auszugeben. In der Regel reagieren die Preise auf solche Nachrichten gut gelaunt: Die Etablierung bei institutionellen MarktteilnehmerInnen ist eine der großen Hoffnungen in der Szene, da dies einen breiteren Gebrauch und höhere Preisstabilität verspricht. Die kritischen Stimmen, die darin Häresie sehen, werden leiser. Auf hindernde regulatorische Eingriffe reagieren Krypto-Preise hingegen sehr negativ.

Bitcoin als Ort der Machtkonzentration

Mittlerweile kontrollieren nur 50 MinerInnen geschätzt die Hälfte der Mining-Kapazität. Sollten sich genügend MinerInnen zusammentun, können sie theoretisch über den Inhalt der Blockchain bestimmen (51-Prozent-Attack). Sie könnten sich dann einen Haufen Bitcoin selbst schicken und damit verschwinden. Bei „kleineren“ Coins ist das tatsächlich schon passiert, aufsehenerregendes Beispiel waren die 51-Prozent-Attacken auf Bitcoin Gold, bei denen Werte von mehr als 18 Millionen US-Dollar umgeschrieben wurden.

Der Marktwert des Urtyps Bitcoin wird derzeit auf über eine Billion US-Dollar geschätzt. Im Besitz verbreitert sich die Währung stetig, gilt aber dennoch als konzentriert in der Hand von Wenigen: Die Top 10 000 BesitzerInnen kontrollieren ein Drittel aller Bitcoin. Sind all diese Summen Luft, oder sind das Werte?

Fassen wir zusammen:

Das Neue an Bitcoin ist, dass es keine zentrale Firma gibt, die es betreibt. Es gibt mittlerweile aber einen Haufen Firmen darum herum. Bitcoin entwickelt sich als eigener Finanzmarkt neben den bekannten staatlichen und privaten Märkten; Es wird damit zu einem neuen Machtort, der ganz und gar nicht unabhängig ist von existierenden Mächtigen. Und auch auf der Blockchain treffen sich MarktteilnehmerInnen, die Coins zu Preisen tauschen, wie überall sonst auch.

In Teil II: Was ist das, das man da tauscht?

 
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