Warum es einen inklusiven internationalen Frauentag braucht

Josh Hardley

Eine Gruppe Aktivist*innen organisiert dieses Jahr eine Demo zum Internationalen Frauentag am 8. März unter dem Motto „Take Back the Streets – jeden Tag 8. März“. Den Organisator*innen geht es dabei darum, inklusiver zu werden als bisherige Frauentagsdemos.  

Seit 1911 wird der internationale Frauentag begangen. Ursprünglich wurde er von der Sozialistin Clara Zetkin vorgeschlagen und war stark mit der Forderung nach dem Frauenwahlrecht verbunden. Heute ist der 8. März ein zentraler Moment, um die vielen mit Geschlecht verbundenen Ungleichheiten zu thematisieren und anzugreifen. Dieser Kampf kann nur geführt und gewonnen werden, wenn er alle Frauen und andere Geschlechter, die von Diskriminierung betroffen sind, einbezieht.

Der Internationale Frauentag in Wien bisher

Seit vielen Jahren organisiert das FZ (FrauenLesbenMädchenZentrum) den Internationalen Frauentag in Wien. Auch dieses Jahr veranstaltet das FZ gemeinsam mit anderen Gruppen eine Demonstration. Die Demo des FZ war dabei alles andere als offen. Ausschließlich cis Frauen, also solche, die das ihnen bei der Geburt zugewiesene Geschlecht sind, waren dort willkommen. Erst durch massiven Einsatz unterschiedlicher Aktivist*innen konnte in den vergangenen Jahren ein eigener FLIT-Block (FLIT steht hier für Frauen, Lesben, Inter und Trans) durchgesetzt werden. Dass trans und inter* Personen nur in einem FLIT-Block geduldet werden, ist natürlich keine Lösung. Ebenso gab es immer wieder problematische Inhalte, wie etwa einen Redebeitrag der Gruppe „Stop Sexkauf“ vergangenes Jahr. Die Gruppe setzt sich für ein vollständiges Verbot von Sexarbeit und damit letzendlich für die Kriminalisierung von Sexarbeiter*innen ein.

Angesichts dieser Situation haben wir uns als „Take Back the Streets – jeden Tag 8. März“ dazu entschlossen, eine eigene Demo am 8. März zu organisieren.

Feministische Kämpfe als inklusive Kämpfe

Wir sehen die von uns organisierte Demonstration als dringend notwendigen Beitrag gegen diskriminierende Ausschlüsse. Solange es nicht für alle von Patriarchat und Sexismus Betroffenen möglich ist, auf einer Demonstration miteinander zu kämpfen, wird es zwei Demonstrationen geben. Unsere Demonstration ist keine Spalterei, sondern das Gegenteil, denn sie basiert nicht auf Ausschlüssen.  Wir wollen ausdrücklich alle Frauen einbeziehen – egal ob trans und/oder nicht-binär oder cis.

Wir wollen auch andere Menschen, die patriarchale Unterdrückung erfahren, unterstützen und ihnen eine Plattform geben. Leute, deren Geschlecht weder männlich noch weiblich ist, transMänner oder intergeschlechtliche Menschen sind auf der Demo willkommen. Einzig nicht-inter*, cis Männer bitten wir, uns an diesem Tag anders zu unterstützen als auf die Demo zu kommen.

Warum wir gemeinsam kämpfen müssen

In Zeiten, in denen der Rechtsruck immer bedrohlichere Ausmaße annimmt, zeigt sich die Notwendigkeit, gemeinsam auf die Straße zu gehen. Angriffe auf linke und feministische Räume (wie das W23 oder die Rosa Lila Villa), Strukturen und Aktivist*innen häufen sich. Gegen diese gesellschaftlichen Entwicklungen müssen wir uns wehren.

Die Kürzungen von Sozialleistungen sind für bestimmte Gruppen existenzbedrohend. Wir leben in einer Gesellschaft, in der sich viele behinderte Menschen keine persönliche Assistenz leisten können, obwohl sie auf diese angewiesen sind, um ein selbstbestimmtes Leben führen zu können.

Vor Krieg, Armut oder Verfolgung flüchtende Menschen werden unter menschenverachtenden Bedingungen an den Grenzen festgehalten, abgeschoben und sind von massiver Polizeirepression betroffen. Rassistische Polizeikontrollen wie ‚racial profiling‘ sind tagtäglich zu beobachten. Asylunterkünfte werden angezündet und attackiert.

Angriffe gegen marginalisierte Gruppen sind zur Normalität und salonfähig geworden. Sexarbeiter*innen werden schikaniert und in die Unsichtbarkeit und Illegalität gedrängt.

Deswegen und aus vielen weiteren Gründen gehen wir am 8. März auf die Straße. Wir wollen ein klares Zeichen setzen und uns gegen die beschriebenen Entwicklungen gemeinsam wehren. Uns ist es besonders wichtig, dass Unterdrückungs- und Machtverhältnisse und ihre Überschneidungen thematisiert und benannt werden.

„Take back the Streets“ ist eine Gruppe autonomer Aktivist*innen, die dieses Jahr eine Demo zum 8. März organisiert. Uns ist es wichtig, für alle Menschen Raum zu schaffen, die von Sexismus und Patriarchat betroffen sind. Die Demo beginnt am 8. März um 17h am Urban Loritz Platz. 

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