Ein Jahr danach: Eine Freiwillige erzählt vom Sommer der Flüchtlingsbewegung

Foto: Rasande Tyskar

Im Sommer 2015 erreichte die Flüchtlingsbewegung Richtung Österreich ihren Höhepunkt. Unzählige Freiwillige packten dort mit an, wo Hilfe notwendig war. Alexandra Wimmer gründete zur besseren Koordinierung der Freiwilligenarbeit die Facebook-Gruppe Sinnvoll Helfen. Sie schildert heute, fast ein Jahr später, was sie letzten Sommer erlebte, warum ohne Vernetzung nichts möglich ist und woran sie in den nächsten Monaten arbeiten wird.

Anfang August 2015, als das Thermometer ungewöhnliche Temperaturen erreichte und alle Lethargie erwarteten, passierte etwas völlig Unerwartetes. Die Zivilgesellschaft begann aufzustehen und zu handeln.

Viele von uns wissen, wie umständlich  Asylverfahren in Österreich schon lange sind.  Auch Traiskirchen war weit davon entfernt, ein Vorzeige-Aufnahme-Lager zu sein. Letzten Sommer hatte sich die Situation jedoch dermaßen zugespitzt, dass kaum jemand wegsehen konnte. Für mich war Anfang August ebenfalls der Punkt erreicht, an dem ich nicht mehr sitzen bleiben konnte.

Ohne Plan in die Badner Bahn

Ad hoc und ohne Plan was und wohin, habe ich mich in die Badner Bahn gesetzt. Zuerst bin ich um das Lager in Traiskirchen spaziert. Auf dem Boden saßen überall  Menschen, jede Flasche Wasser haben sie sehr dankbar angenommen und ich war so geschockt, dass ich mich nicht unterhalten konnte. Ich machte mich auf die Suche nach dem Lager der Caritas und half dort sortieren und austeilen. An diesem Tag blieben alle 20 Minuten Fahrzeuge stehen, die mit Sachspenden vollgeladen waren.

Wenige Tage später machte ich mich mit einigen FreundInnen auf den Weg, um drei Busse mit dringend benötigten und gut sortierten Sachspenden zu versorgen. Evelyn Mach hat in diesen Wochen unglaublich viele Sachspenden organisiert und verteilt. Ich war sehr dankbar, sie dabei immer wieder begleiten zu dürfen. Als wir ankamen, war ich sprachlos. Durchlaufend kamen Autos mit Spenden an. Nie waren weniger als mindestens fünf Autos zur gleichen Zeit vor Ort. Doch nicht nur Spenden wurden in Traiskirchen gelassen. Nun waren auch unzählige HelferInnen vor Ort, die sich die Zeit nahmen, persönlichen Kontakt zu den Schutzsuchenden herzustellen. Bei jedem Besuch wurde es schwieriger, einen Parkplatz zu finden.

Da das Verteilen der Sachspenden jedoch eine größere Herausforderung darstellte, als wir anfangs dachten, gründete ich die Facebook-Gruppe Sinnvoll helfen. Dort wurden die wichtigsten Informationen geteilt und HelferInnen konnten sich miteinander vernetzen.

Vernetzung macht’s möglich

Kurz danach habe ich Jürgen Bischof, Gabriela Markovic und Monika Fritsch kennengelernt, die mit ihrem Engagement eine große Hilfe beim Aufbau der Gruppe waren. Simone Deibler und Christian Kopp haben uns bei diversen Aktionen geholfen. Gemeinsam haben wir nicht nur diverse Hilfeleistungen sinnvoll weitergeleitet, wir haben uns auch Gedanken über die Belastung der vielen Freiwilligen gemacht. Im September haben wir zu diesem Thema auch einen Workshop angeboten.

Zu der Zeit war auch Roger Winandy in der Vernetzung großer Gruppen bereits gut vorangekommen. Nach einer kurzen Zeit am Hauptbahnhof war Roger an verschiedenen Grenzen  in der Koordination der Freiwilligen tätig. Besonders auf der Balkanroute wurde ihm klar, dass es in Österreich keine zentrale Vernetzung gibt. Es entstand eine Doppelgleisigkeit und HelferInnen und Spendenkonvois wurden ineffektiv an die Grenzen geschickt. Im Oktober hat Roger zu den ersten Vernetzungstreffen der Initiativen in Wien eingeladen.  Immer öfter arbeiteten wir gemeinsam an der Lösung diverser Probleme. Auch Gabriela war mit dem Netzwerksammelsurium eine tolle Anlaufstelle und konnte uns immer mit wichtigen Informationen und guten Kontakten weiterhelfen.

Das Ende ist noch nicht in Sicht

Im November war uns die Notwendigkeit einer noch besseren Vernetzung bewusst. Wir entwickelten ein Konzept, um die Hilfeleistung der unzähligen Freiwilligen so sinnvoll wie möglich jenen Menschen anzubieten, die sie am meisten benötigen. In einem von uns eingerichteten Online-Kalender, konnten sich fortan verschiedene Initiativen eintragen.

Dabei sind wir auf New Here gestoßen. Das Projekt beinhaltet einen digitalen Stadtplan, der den Schutzsuchenden zeigt, wo sie welche Hilfeleistungen in Anspruch nehmen können. Wir arbeiten seitdem mit „New Here“ zusammen. Die einzelnen Kurse, Workshops und Freizeitaktivitäten werden nach Gebieten rund um die einzelnen Unterkünfte zusammengefasst und in Kalendern an die Unterkünfte weitergeleitet.

Der Fonds Soziales Wien und die Volkshilfe bieten uns den Zugang zu den öffentlichen Unterkünften. Wir erfahren die Sorgen und Problem die an sie herangetragen werden, um gemeinsam mit ihnen nach Lösungsansätzen zu suchen. Auch die Volkshilfe Wien bietet Unterstzützung in Form eines Büros. Das vereinfacht ebenfalls  die Zusammenarbeit.

Es ist uns ein großes Anliegen, die Projekte der Initiativen so gut wie möglich zu unterstützen, indem wir sie bei jeder passenden Gelegenheit erwähnen um mögliche Kooperationen oder andere Hilfeleistung zu organisieren. Weiters dienen wir den einzelnen Organisationen als Sprachrohr um sie auch gegenüberden Medien zu vertreten und machen gut funktionierende Projekte öffentlich.

Dafür ist es auch in Zukunft wichtig, gemeinsame Treffen mit diversen Initiativen zu veranstalten. Durch die enge Zusammenarbeit werden wir schneller auf Probleme und mögliche Lösungen aufmerksam und können so leichter für einen reibungslosen Ablauf der Projekte sorgen.

Wir freuen uns über die enge Zusammenarbeit mit all jenen, die ihre Zeit nutzen um Menschen willkommen zu heißen, die unsere Unterstützung brauchen.

Alexandra Wimmer ist Gründerin und Obfrau des Vereins „Sinnvoll helfen“.

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